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Zukunft der Windenergie

Die Ausbauziele in Deutschland

Die Zukunft der Windenergie betrifft in direktem Maße auch die Zukunft Deutschlands. Denn: Um die Klimaziele des Landes zu erreichen und den Kohleausstieg zu schaffen, kommt der Nutzung von erneuerbaren Energien eine Schlüsselrolle zu.

Windenergie stellt vor allem an Land dabei bereits jetzt die stärkste Energiequelle in Deutschland dar und besaß 2021 einen Anteil von 23,1 % an der Stromerzeugung (Fraunhofer ISE 2022). Damit die Stromproduktion gemäß den Klimazielen vollständig klimaneutral wird, ist der weitere Ausbau von Windkraftanlagen vonnöten. Welche Ausbauziele sich Deutschland gesetzt hat und wie diese erreicht werden sollen und können, erfahren Sie hier. 

Klimaziele erreichen - mit Windenergie

Um den Klimawandel zu verlangsamen und den Folgen des Treibhausgaseffekts entgegenzuwirken, hat sich Deutschland – wie zahlreiche andere Staaten – ambitionierte Ziele gesetzt. Das 2021 verschärfte deutsche Klimaschutzgesetz sieht vor, dass unser Land bis zum Jahr 2045 vollständige Klimaneutralität erreicht. Bis 2030 sollen daher im Vergleich zu 1990 65 % weniger Treibhausgase ausgestoßen werden.

Für den größten Teil der Treibhausgasemissionen ist noch immer die Energiewirtschaft verantwortlich: 2020 lag ihr Anteil bei ca. 30 % (Umweltbundesamt 2022). Doch es gibt auch positive Entwicklungen: Der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung ist in den letzten Jahren fast stetig gestiegen und lag 2021 bei 45,7 %. Damit die Ziele des deutschen Klimaschutzgesetzes erreicht werden können, muss diese Zahl im Sinne der Energiewende weiter steigen.

Infografik zur Struktur der deutschen Stromerzeugung BDEW; ZSW; AGEB; Statistisches Bundesamt; ID 171368
Anteil Erneuerbarer Energieträger an der Bruttostromerzeugung in Deutschland in den Jahren 2020 und 2021

Großes Potenzial bietet dabei die Windenergie. Als wichtigste Energiequelle in Deutschland besitzt sie schon jetzt Vorreiterstellung und produzierte 2020 mit 52,8 % mehr als die Hälfte des Stroms aus erneuerbaren Energien. Dadurch konnten Berechnungen zufolge 100 Millionen Tonnen CO2 eingespart werden (BMWI 2021). Dies liegt nicht zuletzt an der effizienten Funktionsweise von Windkraftanlagen und ihrer kurzen Amortisationszeit zum Erwirtschaften der für die Produktion und Errichtung benötigten Energie. Als wesentlicher Teil der Klimaziele hat sich Deutschland daher auch konkrete Ausbauziele für den Zubau von Windenergieanlagen gesetzt.

Ausbauziele: Windenergie auf See (Offshore)

Der hohe Effizienzgrad von Windenergie auf See macht ihn zu einer tragenden Säule der Energiewende

Windenergie auf See war vor allem in der Anfangsphase der Windkraftnutzung ein wichtiger Faktor, da der Wind auf See konstanter und stärker weht. Als Konsortialführer nahm EWE 2010 den ersten deutschen Offshore-Windpark alpha ventus in Betrieb und trieb den Ausbau der Offshore-Windenergie in den folgenden Jahren maßgeblich voran. Im Jahre 2020 stammten in Deutschland nunmehr 10,9 % des Stroms aus erneuerbaren Energien aus Offshore-Windparks. Diese umfassten eine Gesamtleistung von 7,7 Gigawatt (GW), die 2020 27.306 Gigawattstunden (GWh) Strom produzierten.

Ende 2020 legte die Regierung in einer Novelle zum Windenergie-auf-See-Gesetz (WindSeeG) neue Ausbauziele zur Erhöhung dieser Zahlen fest: Bis 2030 sollen offshore Windkraftanlagen mit einer Leistung von insgesamt 20 Gigawatt und bis zum Jahre 2040 sogar 40 Gigawatt vorhanden sein.

Dies soll durch eine Erweiterung von Ausschreibungsvolumina sowie einem gleichzeitigen Ausbau des Stromnetzes erfolgen. Denn um den Strom aus den Offshore-Windparks an Land zu bringen, sind starke Anbindungsleitungen erforderlich. Dies ist neben den höheren Kosten und Aufwänden für den Bau von Offshore-Anlagen ein weiterer Grund dafür, dass der Nutzung des Windes an Land mittlerweile eine noch größere Bedeutung zukommt.

Ausbauziele: Windenergie an Land (Onshore)

Windenergie an Land erbringt in Deutschland derzeit das Vierfache des Stroms aus Offshore-Anlagen: 2020 waren es 41,9 %. Zwar ist der Wind onshore weniger stark und konstant, doch der Bau der Anlagen und die Einspeisung des gewonnenen Stroms ins Netz gehen deutlich günstiger und einfacher vonstatten.

In Deutschland war Ende 2020 daher mit den Onshore-Windenergieanlagen eine beachtliche Leistung von rund 54,42 Gigawatt am Netz, die im gleichen Jahr 104.796 Gigawattstunden Strom erzeugte. EWE ist bundesweit mit zahlreichen Onshore-Windparks und Projekten mit Bürgerbeteiligung an 2.300 Megawatt Leistung beteiligt.

Um die Klimaziele und die Energiewende zu erreichen und den derzeitigen Anteil der Windenergie an der Stromerzeugung von 23 % 2021 zuverlässig zu steigern, ist der Zubau weiterer Anlagen erforderlich. Hier muss auch bedacht werden, dass erneuerbare Energien wie die Windkraft nicht jedes Jahr den gleichen Ertrag bringen. Das Jahr 2021 war mit 23 % ein eher unterdurchschnittliches Jahr, während 2020 der Anteil der Windkraft mit 27 % überdurchschnittlich produktiv ausfiel.

Im Erneuerbare Energien Gesetz hat die Bundesregierung daher 2021 konkrete Ausbauziele festgelegt: Bis 2030 sollen an Land 71 Gigawatt Windenergie installiert sein. Unter Berücksichtigung der bestehenden Leistung von 54 Gigawatt und des erwartbaren Rückbaus überholter Windräder entspräche dies einem jährlichen Zubau von 4 bis 7 Gigawatt.

Gegenwind : Was verzögert den Ausbau der Windenergie?

Abstands- und Höhenregeln 

Luftraumnutzung und Artenschutz 

Genehmigungsverfahren und Klagen

Trotz der Attraktivität der Windenergie und der ambitionierten politischen Ziele für einen schnellen Ausbau spiegelt die Zubau-Geschwindigkeit dies nicht wider. 2019 wurde an Land mit einem Zubau von rund 0,86 Gigawatt sogar ein neuer Tiefstand erreicht, der auch 2020 mit 1,227 Gigawatt nur leicht übertroffen wurde – weit entfernt also von einem jährlichen Zubau zwischen 4 und 7 Gigawatt. Sollte diese Geschwindigkeit beim Ausbau weiter anhalten, kann das Ziel einer Klimaneutralität in den nächsten 20 Jahren nicht mehr erreicht werden. Doch warum stockt das Tempo beim Ausbau? Dieser Gegenwind beruht auf ganz unterschiedlichen Faktoren. Darunter fallen der Artenschutz, aber auch Klagen von Bürgerinitiativen.

Um die Ausbauziele zu erreichen, ist planerisch in Deutschland eine Landesfläche von 0,8 % vorgesehen. Aufgrund der momentan geltenden Regelungen steht laut Umweltbundesamt jedoch derzeit nur eine Landesfläche von 0,52 % zur Verfügung. Damit der erforderliche Zubau in den kommenden Jahren trotzdem umgesetzt werden kann, gilt es, den bürokratischen Aufwand zur Bewilligung von Windkraftprojekten zu verringern sowie bestehende Regelungen zu überdenken, um nutzbare Flächen in ausreichendem Maße zur Verfügung zu stellen.

Nachstehend werden die einzelnen Faktoren einmal genauer beleuchtet:

Abstand- und Höhenregelungen

Vielerorts müssen regional unterschiedliche Regelungen zum Abstand von Windrädern und ihrer Rotorblätter zu anderen Objekten und Ortschaften eingehalten werden. Beispielsweise dürfen Windenergieanlagen nicht weniger als 15 km von Drehfunkfeuern entfernt sein – um dieses Verbot zu umgehen, bedarf es einer Einzelfallentscheidung des Bundesaufsichtsamts für Flugsicherung.

Weitere einschränkende Regelungen gelten unter anderem in Bayern und Thüringen: In Bayern bestimmt die sogenannte 10-H-Regel, dass eine Windenergieanlage mindestens das Zehnfache ihrer Höhe von der nächsten Ortschaft entfernt sein muss. In Thüringen untersagt das Thüringer Waldgesetz zudem die Nutzung von Windkraft im Wald.

Luftraumnutzung und Artenschutz

In vielen Gegenden ist es untersagt, dass die Rotorblätter in ein angrenzendes Gebiet hineinragen. Aufgrund des Flugverkehrs mit Helikoptern können Windräder zumeist auch nicht in der Nähe von militärischen Übungsplätzen oder in Nähe zu zivilen Flughäfen installiert werden. Hinzu kommen Regelungen zum Natur- und Artenschutz, die den Bau von Windkraftanlagen zum Beispiel in Brutgebieten untersagen.

Genehmigungen und Klagen

Werden neue Windenergieanlagen auf zur Verfügung stehenden Flächen geplant, müssen die Projekte häufig ein langwieriges und mehrstufiges Genehmigungsverfahren auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene durchlaufen. Im Schnitt können bis zur Genehmigung mehr als vier Jahre vergehen.

Geplante Projekte sehen sich des Weiteren häufig mit Klagen bezüglich Abstandsregelungen und Artenschutz konfrontiert und werden dadurch häufig mehrere Monate oder Jahre blockiert und im schlechtesten Fall untersagt.

Rückenwind: Wie kann Deutschland die Ausbauziele noch erreichen?

Die Perspektive der Windkraft ist trotz zahlreicher Hemmnisse dennoch positiv: Die Ausbauziele der Politik zeigen den Willen, in diesem Jahrzehnt den Ausbau der Windkraft deutlich voranzutreiben. Positive Signale kommen hierzu aus der Windbranche: Mit einem Zubau von rund 1,93 Gigawatt zeigt sich 2021 ein Aufwärtstrend seit dem Tiefstand zwei Jahre zuvor. Die erste Ausschreibungsrunde für neue Windkraftanlagen 2022 wurde zudem voll ausgeschöpft – es wurden sogar mehr Bewerbungen eingereicht, als bewilligt werden konnten. Dies zeigt, dass Anlagenbetreiber und Politik der Windkraft Rückenwind verleihen wollen.

Das Öko-Institut kündigte Ende 2021 an, der Politik einen ausführlichen Vorschlag zu einem neuen „Windenergie an Land-Gesetz“ zu unterbreiten, mit dem das Genehmigungsverfahren erheblich beschleunigt und zahlreiche Hürden abgebaut werden können.

Zudem könnte die in Bayern geltende 10-H-Regelung demnächst gerichtlich überprüft und womöglich gekippt werden: Ein Rechtsgutachten stellte fest, dass die bayerische Regelung angesichts des aktuellen deutschen Klimaschutzgesetzes verfassungswidrig ist. Wird die Regel in naher Zukunft aufgehoben, würde dies in Bayern einen signifikanten Anstieg der nutzbaren Flächen ermöglichen, sodass der derzeit gegen Null tendierende Zubau stark steigen könnte.

Mit Alterric hat EWE einen der größten Grünstromerzeuger in Europa geschaffen - ein klares Zeichen für die Energiewende

Weitere Möglichkeiten, den Ausbau der Windenergie voranzubringen, liegen im Repowering und einer stärkeren Bürgerbeteiligung. Repowering bezeichnet den Ersatz veralteter Windkraftanlagen durch neue, leistungsstärkere Anlagen. In den kommenden Jahren kann so eine große Zahl von Anlagen ersetzt und ein Leistungsgewinn verzeichnet werden.

Um Klagen und negativen Bescheiden bei der Planung neuer Windkraftanlagen vorzubeugen, ist eine starke Beteiligung von Kommunen und Bürgern gefragt. Werden diese von Anfang an in den Prozess eingebunden, können ihre Sorgen und Wünsche äußern und sich selbst an der Durchführung und dem Betrieb der Anlagen beteiligen, steigt die Akzeptanz der Anlagen und alle Beteiligten können von diesen profitieren.

Seit 2017 beteiligt EWE beispielsweise die Einwohner der Gemeinden Hatten und Köhlen an zwei großen Windparks in der Region. Gemeinsam mit der Alois Wobben Stiftung ist EWE zudem in der Alterric GmbH aktiv, die den Ausbau der erneuerbaren Energien in enger Zusammenarbeit mit Kommunen, Grundstückseigentümern und Bürgern vorantreibt.