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23.04.2020 - EWE AG

EWE schließt Geschäftsjahr 2019 erfolgreich ab

Operatives Ergebnis um mehr als 20 Prozent gesteigert

Oldenburg. EWE hat das Geschäftsjahr 2019 trotz schwieriger Marktlage erfolgreich und innerhalb der Prognoseerwartung abgeschlossen: Das Operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (OEBIT) – die wesentliche Kennzahl für die operative Geschäftstätigkeit – lag mit 455,9 Mio. Euro um 20,9 Prozent über dem Ergebnis des Vorjahres (377,1 Mio. Euro). Im Frühjahr 2019 war EWE von einem OEBIT im Bereich von zehn bis 25 Prozent über dem Vorjahr ausgegangen. Das Konzernperiodenergebnis blieb aufgrund von Sondereffekten mit 127,5 Mio. Euro unter dem des Vorjahres (167,3 Mio. Euro). Der Umsatz konnte mit 5.659,3 Mio. Euro (5.617,1 Mio. Euro) auf dem Niveau des Vorjahres stabil gehalten werden.

„Das Geschäftsjahr 2019 ist für EWE erfolgreich verlaufen“, fasste Stefan Dohler, Vorstandsvorsitzender der EWE AG, bei der in diesem Jahr aufgrund der Corona-Pandemie erstmals rein digitalen Bilanzpressekonferenz des Unternehmens zusammen. „Wir haben unsere Ergebnisziele in allen wesentlichen operativen Segmenten erreicht oder übererfüllt.“ Mit der Veräußerung der türkischen Gesellschaften im 1. Halbjahr, der Entscheidung für ein Gemeinschaftsunternehmen zum Glasfaserausbau mit der Deutschen Telekom und der Bekanntgabe des neuen strategischen Wachstumspartners Ardian im Dezember seien drei Transaktionen mit hoher strategischer Bedeutung für das Unternehmen erfolgreich umgesetzt worden, hob Dohler hervor. Gemeinsam mit den kommunalen Anteilseignern und dem Infrastrukturinvestor Ardian werde man nun das Wachstum von EWE in den strategischen Bereichen erneuerbare Energien, Telekommunikation, Netze, Energiedienstleistungen und Mobilität vorantreiben. „EWE richtet sich dafür gerade konsequent nach einer Geschäftsfeldlogik aus, damit wir die definierten Wachstumsfelder über die Grenzen verschiedener Konzerngesellschaften hinweg bestmöglich entwickeln können“, erläuterte der Vorstandsvorsitzende. Dies werde sich ab dem Bericht zum 1. Halbjahr 2020 auch in einer veränderten Segmentstruktur widerspiegeln.

Coronavirus: Risikovorsorge und wirtschaftliche Auswirkungen
„Als Betreiber kritischer Infrastrukturen haben wir klare und teilweise weitreichende Entscheidungen zum Schutz unserer Beschäftigten und Kunden sowie zur Sicherung der Versorgung der Menschen mit Energie, Telekommunikation und Wasser getroffen“, schilderte Dohler den Umgang mit der Corona-Pandemie im EWE-Konzern. So habe man frühzeitig den Großteil der Beschäftigten ins Homeoffice geschickt, die Belegschaften der Netzleitstellen für Strom, Gas und Telekommunikation an unterschiedlichen Standorten separiert, die EWE-Shops geschlossen, jegliche Veranstaltungen abgesagt und Termine bei Kunden auf die Gefahrenabwehr und Sicherstellung der Versorgung reduziert. Der Konzernkrisenstab der EWE AG und die Krisenstäbe der einzelnen EWE-Gesellschaften seien seit Ende Februar durchgängig damit beschäftigt, die fortschreitende Gefährdungslage zu bewerten und erforderliche Maßnahmen schrittweise anzupassen. Für die Rückkehr in eine „neue Normalität“ wurde ein Stufenplan entwickelt, der sich am Takt der politischen Vorgaben orientiert. In einem ersten Schritt sind beispielsweise Umbaumaßnahmen zur Einhaltung von Hygienevorschriften und Abständen realisiert worden, so dass heute erste EWE-Shops wiederöffnet werden konnten. „Wir arbeiten sehr engagiert daran, dass sich unsere Kunden in dieser ansonsten von zahllosen Unwägbarkeiten geprägten Situation jederzeit auf uns verlassen können. Das ist auch Teil unserer unternehmerischen Verantwortung für die Region“, so Dohler.

Zu den wirtschaftlichen Auswirkungen stellte Dohler fest: „EWE verfügt über eine sehr solide wirtschaftliche Basis, spürt die massiven Auswirkungen des aufgrund von Corona eingeschränkten Wirtschaftslebens im Umfeld mittlerweile aber sehr deutlich. Wir verzeichnen vertriebliche Nachteile durch den eingeschränkten Kontakt zu unseren Kunden, unser Handelsgeschäft leidet, weil die Produktion bei einigen Großkunden ruht oder stark eingeschränkt ist und die für diese Kunden eingekauften Mengen an den Energiemärkten derzeit meist nur mit Verlust weiterverkauft werden können.“ EWE habe daher Vorkehrungen getroffen, um Liquidität im Unternehmen zu halten und die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit auch in einer vielleicht länger anhaltenden Krise abzusichern. „Vor uns liegen große Anstrengungen, auf die wir uns mit Maßnahmen zur präventiven Stabilisierung unseres Geschäfts so gut es irgendwie geht vorbereiten“, erläuterte Dohler. Für den angestrebten Wachstumspfad bedeute dies nicht Stillstand oder Vollbremsung – jedoch werde man realistisch betrachtet auch nicht im ursprünglich geplanten Tempo vorankommen. Mit geplanten Investitionen von etwa 700 Mio. Euro pro Jahr will EWE zu einer zügigen wirtschaftlichen Erholung in der Region beitragen. „Zunächst einmal zählt jedoch, dass wir möglichst alle gesund bleiben – unsere Kunden, unsere Mitarbeiter und unser Unternehmen“, so Dohler.

Engagement für Nachhaltigkeit und Klimaschutz
EWE sieht es als Unternehmensaufgabe, nachhaltige Ansätze und grüne Technologien voranzubringen und dafür zu sorgen, dass die Versorgung der Menschen mit Energie, Mobilität und Kommunikation sichergestellt wird. „Deshalb gestalten wir das Energiesystem der Zukunft bereits seit vielen Jahren aktiv mit und leisten unseren Beitrag zum Erreichen der Klimaziele“, erläuterte Dohler. Der Grundsatz der Nachhaltigkeit habe für EWE dabei traditionell einen sehr hohen Stellenwert. „Wir sind davon überzeugt, dass langfristig angelegter wirtschaftlicher Erfolg mit dem Erreichen ökologischer und sozialer Ziele einhergehen muss“, stellt der Vorstandsvorsitzende klar. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie würden die gesamte Gesellschaft vor große Herausforderungen stellen – in wirtschaftlicher, ökologischer, sozialer und politischer Hinsicht. „Wer in diesen Tagen auf die Reaktivierung der Wirtschaft blickt und meint, man könne sich Nachhaltigkeit, grüne Innovationen, Umwelt- und Klimaschutz dabei nicht leisten, ist auf dem Irrweg“, so Dohler. Im Gegenteil: „Beim Klimaschutz dürfen wir jetzt keinesfalls nachlassen, dürfen Ziele nicht leichtfertig aufgeben. Denn diese Pandemie zeigt uns, wie verwundbar unsere globalisierte Welt ist, wenn wir nicht konsequent und nachhaltig handeln. Klimaschutz geht einher mit Innovation und ist daher eine große Chance für unsere Gesellschaft und speziell unsere Region mit ihren herausragenden Startvoraussetzungen. “

Partnerschaft mit Aloys-Wobben-Stiftung bei Windenergie an Land vereinbart
Um den Ausbau der Windenergie an Land voranzubringen, strebt EWE eine Bündelung der Aktivitäten mit denen des Auricher Windenergieanlagenherstellers ENERCON an. Ziel ist es, den Anteil erneuerbarer Energien sektorenübergreifend signifikant und dauerhaft zu erhöhen. Vertreter von EWE und der Aloys-Wobben-Stiftung, alleiniger Anteilseigner von ENERCON, haben eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet. Das Gemeinschaftsunternehmen soll die von beiden Partnern eingebrachten Bestandswindparks (2.500 MW) und Projektpipelines (knapp 2.300 MW) bewirtschaften. Gemeinsam will man national sowie international weiteres Wachstum generieren und die resultierenden energiewirtschaftlichen Chancen nutzen. „Die gemeinsame Kraft und Erfahrung zugunsten einer klimafreundlichen Energiezukunft für die Menschen in der Region zu bündeln, ist ein naheliegender und sinnvoller Schritt“, so Dohler. Zudem stehe die geplante Partnerschaft – nach der Gründung der Glasfaser-Nordwest mit der Deutschen Telekom im Januar 2020 – im Einklang mit der Strategie, großangelegte Infrastrukturprojekte nach Möglichkeit mit starken Partnern umzusetzen.

Entwicklung wesentlicher Kennzahlen im Geschäftsjahr 2019
Zur Entwicklung des OEBIT im Berichtsjahr erläuterte Wolfgang Mücher, Finanzvorstand der EWE AG: „Die Segmente Erneuerbare, Netze und Gasspeicher sowie swb haben ihre Prognoseerwartungen erfüllt. Das Übertreffen des Prognosekorridors im Segment Vertrieb, Dienstleistungen und Handel ist neben operativen Ergebnissteigerungen in den Bereichen Telekommunikation, Energiehandel und IT auch auf Sondereffekte wie Einmalzahlungen im Telekommunikationsbereich sowie Rückstellungsauflösungen und Periodenabgrenzungen im Energievertrieb zurückzuführen. Unsere polnischen Gesellschaften im Segment Ausland haben durch die generell schwierigen energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Polen sowie durch die Bildung einer Drohverlustrückstellung im Strombereich die gesetzten Ziele nicht erreicht.“

Mit Blick auf das Konzernperiodenergebnis, das neben dem operativen Geschäft auch nicht-operative Effekte sowie das Zinsergebnis und Steuern abbildet, stellte Mücher fest: „Wesentlichen Einfluss auf das im Vergleich zum Vorjahr geringer ausgefallene Konzernperiodenergebnis hatte vor allem das Derivateergebnis aus Absicherungsgeschäften.“

Zur Umsatzentwicklung erläuterte Mücher: „Der im Geschäftsjahr 2019 erwirtschaftete Konzernumsatz lag ebenso wie die Materialaufwendungen auf Vorjahresniveau. Die Materialeinsatzquote verbesserte sich marginal von 69,1 Prozent auf 68,3 Prozent. Der Personalaufwand hat sich im abgelaufenen Geschäftsjahr tarifbedingt und aufgrund der um 323 Personen gestiegenen Mitarbeiterzahl erhöht. Im Jahresdurchschnitt waren 8.831 Mitarbeiter im Konzern beschäftigt.“

EWE investierte im Berichtsjahr insgesamt 587,4 Mio. Euro (2018: 529,7 Mio. Euro). „Hierbei handelte es sich zu 85 Prozent um Investitionen in das Sachanlagevermögen“, so Mücher.

Aus dem Einzelabschluss der EWE AG nach HGB ergibt sich für das Geschäftsjahr 2019 ein Jahresüberschuss von 485,2 Mio. Euro (2018: 257,7 Mio. Euro). „Ursächlich für die positive Entwicklung war im Wesentlichen das Ergebnis aus Finanzanlagen, welches um 265,8 Mio. Euro deutlich über dem Wert des Vorjahres lag“, stellte Mücher fest. „Wesentlichen Einfluss hatten die Zuschreibung auf die swb AG und der Saldo aus Erträgen aus Gewinnabführungsverträgen sowie Aufwendungen aus Verlustübernahmen. Auch die Veräußerung der Beteiligung an der EWE Turkey Holding A.Ş. begünstigte das Ergebnis aus Finanzanlagen. Im Vorjahr sorgten zudem außerplanmäßige Abschreibungen auf Finanzanlagen für ein deutlich niedrigeres Ergebnis.“

Dividendenvorschlag
Aufgrund des erfolgreich verlaufenen Geschäftsjahrs wurde seitens Vorstand und Aufsichtsrat ursprünglich eine Dividende in Höhe von 146 Mio. Euro vorgeschlagen. Dieser Vorschlag ist auch im Finanzbericht enthalten. Vor dem Eindruck der seither durch die Corona-Pandemie ausgelösten Ereignisse, deren Effekte auf das Unternehmen zum heutigen Zeitpunkt nicht vollständig zu überblicken sind, wird abweichend davon empfohlen, eine Dividende in Höhe von 98 Millionen Euro auszuzahlen. Dies geschieht in Abstimmung mit den Anteilseignern der EWE AG, die auf diese Weise ihren Beitrag zur Liquiditätssicherung leisten.

Ausblick 2020 
EWE hat für das laufende Geschäftsjahr unter Berücksichtigung der zu erwartenden speziellen Branchenentwicklungen, der politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen und des fortgesetzt intensiven Wettbewerbs im Energiemarkt ursprünglich ein im Vergleich zu 2019 Operatives EBIT im Korridor zwischen -15 und + fünf Prozent erwartet. Diese Prognose ist im Geschäftsbericht enthalten, stammt jedoch aus einer Zeit vor der Corona-Pandemie. Deren zwischenzeitlich eingetretenen Effekte auf das Unternehmen und das allgemeine Wirtschaftsleben machen eine seriöse Prognose zum jetzigen Zeitpunkt unmöglich.

Termin
Den Bericht zum ersten Halbjahr veröffentlicht EWE am 27. August 2020.