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26.04.2018 - EWE AG

Dohler: "EWE wird weiter konsequent in die Zukunftsfähigkeit der Region investieren"

Konzern erzielt im Geschäftsjahr 2017 gutes operatives Ergebnis / Rund zwei Milliarden Investitionen in den kommenden Jahren

Oldenburg, 26. April 2018. EWE hat das Geschäftsjahr 2017 wirtschaftlich gut abgeschlossen: Das Operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (OEBIT) lag mit 503,4 Mio. Euro zwar fast sechs Prozent unter dem von einem besonderen Einmaleffekt geprägten Ergebnis des Vorjahres (534,6 Mio. Euro), war aber besser als ursprünglich erwartet. Im Frühjahr 2017 war EWE von einem OEBIT im Bereich von zehn bis 20 Prozent unter dem Vorjahr ausgegangen. Das Konzernperiodenergebnis fiel mit 256,1 Mio. Euro zufriedenstellend aus. Es blieb erwartungsgemäß ebenfalls unter dem des Vorjahres (332,9 Mio. Euro), das allerdings von zwei stark ergebniserhöhenden Einmaleffekten geprägt war. EWE erzielte in 2017 einen um rund neun Prozent höheren Umsatz in Höhe von 8,25 Mrd. Euro (2016: 7,57 Mrd. Euro).

„EWE wird auch in den kommenden Jahren konsequent in eine nachhaltige Energieversorgung sowie einen großflächigen Glasfaserausbau bis in die Häuser investieren – und damit die Zukunftsfähigkeit der Region stärken“, kündigte Stefan Dohler, Vorstandsvorsitzender der EWE AG, bei der Bilanzpressekonferenz des Unternehmens an. „Konkret bedeutet dies Investitionen in Höhe von 1,2 Milliarden Euro in den Ausbau des Glasfasernetzes sowie weitere 600 Mio. Euro in das Ausrollen intelligenter Zähler und die flächendeckende Umstellung von L- auf H-Gas.“ Hinzu kämen weitere Investitionen in erneuerbare Energien, Mobilität und innovative Speicherlösungen. „Wir arbeiten intensiv daran, diese Vorhaben zügig umzusetzen, müssen dabei jedoch neben der Witterung immer wieder auch behördliche und regulatorische Einschränkungen sowie Engpässe bei den Tiefbau-Ressourcen hinnehmen“, erklärt der Vorstandsvorsitzende.

Energiewende führend begleiten und für Kunden komfortabel gestalten
Die Energiewende bezeichnete Dohler als größte Herausforderung der Zukunft, für dessen erfolgreiche Bewältigung nicht nur der Bereich Strom in den Blick genommen werden müsse, sondern auch die Bereiche Wärme, Mobilität und Industrie. „Wenn das Ziel der Energiewende ist, CO2-Emmissionen zu senken und den Klimawandel zu stoppen, dann müssen wir als Unternehmen – aber auch die gesamte Branche und die Politik –, alle Sektoren viel stärker als bisher gemeinsam denken.“ Es sei der Anspruch von EWE, die Energiewende an führender Stelle zu begleiten und zu gestalten. „Wenn wir das als einer der Ersten für alle vier genannten Bereiche vernetzt hinbekommen und für unsere Kunden flexibel, komfortabel und fair in Produkte und Dienstleistungen übersetzen, dann werden wir erfolgreich sein“, ist sich Dohler sicher.

Wichtig für den gesamten Konzern sei, konsequent von außen nach innen zu denken, Impulse aller Interessengruppen und Kunden aufzunehmen und daraus schnell und effektiv die richtigen Schlüsse zu ziehen. Das gelte auch für die aktuell laufende Strategieüberprüfung, die der neue Vorstand im Sommer abgeschlossen haben will. „Wir werden einen klaren Fokus für die kommenden Jahre setzen, der es uns als Unternehmen ermöglicht, Menschen immer wieder neu von EWE zu überzeugen und wirtschaftlich erfolgreich zu wachsen. Dazu gehört auch, die Chancen der Digitalisierung für den Dialog zu nutzen und verfügbare Daten intelligent und sicher zum Nutzen der Kunden zu verknüpfen“, so Dohler.

EWE investierte im Berichtsjahr vorrangig in das regulierte Netzgeschäft und die Erzeugung erneuerbarer Energien – jene Bereiche, in denen der Konzern einen Großteil seines operativen Ergebnisses erzielt. Die Auszahlungen für Investitionen sind dabei im Vergleich zum Vorjahr (469,2 Mio. €) um rund zwölf Prozent auf 525,6 Mio. € gestiegen. Mit Blick auf relevante Veränderungen der Investitionsaktivitäten gegenüber dem Vorjahr sind vor allem der Breitbandausbau, die Kapitalausstattung des Offshore-Windparks TWB II sowie der Erwerb des Onshore-Projektierers TurboWind hervorzuheben. Rückläufig waren im Vorjahresvergleich die Auszahlungen für Investitionen in der Türkei – dies ist hauptsächlich darauf zurückzuführen, dass im Vorjahr die türkische Telekommunikationstochter Millenicom erworben wurde.

Zur Entwicklung des OEBIT im Berichtsjahr erläuterte Wolfgang Mücher, Finanzvorstand der EWE AG: „Grundsätzlich haben alle Segmente zur positiven Ergebnisentwicklung im operativen Geschäft beigetragen. Zusätzliche Ergebnisbeiträge konnten wir im Vergleich zum Vorjahr vor allem im Netz- und Vertriebsgeschäft erzielen. Da auch in den Segmenten Ausland und swb ein im Vorjahresvergleich stabiles Ergebnis erreicht wurde, ist es uns so insgesamt gelungen, den Wegfall eines besonders starken Einmaleffektes bei swb zu einem großen Teil zu kompensieren.“ 2016 hatte swb die betriebliche Altersvorsorge neu geregelt. Die daraus resultierenden Einmalerträge (rund 90 Mio. Euro) hatten das OEBIT des Vorjahres erhöht.

Mit Blick auf das Konzernperiodenergebnis, das neben dem operativen Geschäft auch nicht-operative Effekte sowie das Zinsergebnis und Steuern abbildet, stellt Mücher fest: „Das Ergebnis ist erneut zufriedenstellend, es ermöglicht weitere Risikovorsorge. Dass wir mit Blick auf das Periodenergebnis über den Wegfall des bereits erwähnten swb-Sondereffektes hinaus auch den Wegfall des Einmaleffektes aus dem Verkauf der VNG-Anteile zu einem großen Teil kompensieren konnten, hat zum einem mit den guten Ergebnissen im operativen Geschäft zu tun. Dazu beigetragen haben zum anderen positive nicht-operative Effekte im Berichtsjahr – darunter im Vorjahresvergleich geringere Wertminderungen sowie im Berichtsjahr vorgenommene Wertaufholungen. Hinzu kommt ein klar verbessertes Zinsergebnis.“

Der Umsatz ist im abgelaufenen Geschäftsjahr zwar um rund 684 Mio. Euro auf 8,25 Mrd. Euro angestiegen. Den erhöhten Umsatzerlösen, die vor allem dem Handelsgeschäft zuzurechnen sind, stehen allerdings entsprechend gestiegene Materialaufwendungen gegenüber. Die aus den beiden Kennzahlen (Umsatz und Materialaufwendungen) resultierende Materialeinsatzquote befindet sich mit 76,8 Prozent damit etwa auf Vorjahresniveau (76,1 Prozent).

Aus dem Einzelabschluss der EWE AG nach HGB ergibt sich für das Geschäftsjahr 2017 ein Jahresfehlbetrag von -136,9 Mio. Euro (Vorjahr: 103,9 Mio. Euro). Ursache hierfür ist, dass der Beteiligungsbuchwert der Bremer swb AG mit 349,2 Mio. Euro abgeschrieben wurde – eine Entwicklung, die in der Konzernbilanz bereits seit 2010 in mehreren Schritten vollzogen worden ist. „Aufgrund seiner guten Substanz kann EWE jedoch auch im laufenden Jahr eine Dividende ausschütten“, berichtet Mücher. „Vorstand und Aufsichtsrat haben den Aktionären daher empfohlen, wie in der Vergangenheit eine Dividende in Höhe von 88 Mio. Euro auszuzahlen.“

Die durchschnittliche Mitarbeiterzahl im Konzern stieg im Vergleich zum Vorjahr um 86 auf 9.134 (2016: 9.048). Umgerechnet in Vollzeitarbeitsplätze bzw. Vollzeitäquivalente (englisch: Full Time Equivalent, FTE) geht diese Entwicklung mit einem Zuwachs um 44 auf jetzt 8.651 FTE einher (Vorjahr: 8.607). Dieser Anstieg ist auf alle operativ tätigen Segmente, mit Ausnahme des Segments swb, zurückzuführen. Einen wesentlichen Mitarbeiterzuwachs gab es dabei im Bereich erneuerbare Energien, unter anderem durch den Erwerb des Onshore-Projektierers Turbowind. Neue Mitarbeiter wurden ebenfalls im Bereich Energiedienstleistungen und auf Grund des wachsenden Beratungsgeschäfts im Bereich IT eingestellt.

Ausblick 2018
EWE erwartet für das laufende Geschäftsjahr unter Berücksichtigung der zu erwartenden speziellen Branchenentwicklungen, der politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen und des fortgesetzt intensiven Wettbewerbs im Energiemarkt ein im Vergleich zu 2017 um 15 bis 30 Prozent geringeres Operatives EBIT – und somit maximal ein Ergebnis auf dem Niveau des Jahres 2015. Ursächlich für diesen erwarteten Ergebnisrückgang ist zum einen, dass mit der Umsetzung des Netzentgelt-Modernisierungsgesetzes (NEMoG) die Erlöse aus vermiedenen Netznutzungsentgelten signifikant und dauerhaft sinken werden. Zum anderen sinken die regulierten Erlösobergrenzen im Netzgeschäft. Hinzu kommt, dass der fortgesetzt starke Wettbewerb auf die Margen in den Sparten Strom und Erdgas drückt. In der Türkei bleiben die energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen und die Regulierungsvorgaben schwer vorherzusehen.

Termin
Den Bericht zum ersten Halbjahr 2018 veröffentlicht EWE am 28. August 2018.

Blick in die Einzelsegmente

Segment Erneuerbare, Netze und Gasspeicher

Der konzernexterne Umsatz im Segment Erneuerbare, Netze, Gasspeicher stieg im Berichtsjahr 2017 auf 2.118,5 Mio. Euro (Vorjahr: 2.012,9 Mio. Euro). Der Umsatzanstieg resultierte mit Blick auf konzernexterne Einflüsse im Wesentlichen aus höheren Netznutzungsentgelten bei Strom und Gas sowie aus dem Anstieg der Stromerzeugungsmenge des Offshore Windparks RIFFGAT nach dem Ausfall des Netzanschlusses im Vorjahr. Das Operative EBIT stieg im gleichen Zeitraum auf 388,8 Mio. Euro (Vorjahr: 333,7 Mio. Euro). Ursächlich hierfür waren insbesondere positive Ergebniseffekte im Netzbereich. Der Bereich Erneuerbare profitierte zudem von einem Ergebnisanstieg des Offshore Windparks RIFFGAT. Kompensierend wirkten überwiegend die Verringerung stichtagsbedingter Wertveränderungen der Gasvorräte sowie eine Zuführung zur Rekultivierungsrückstellung bei den Gasspeichern.

Segment Vertrieb, Dienstleistungen und Handel

Das Segment Vertrieb, Dienstleistungen und Handel verzeichnete gegenüber dem Vorjahreszeitraum einen Umsatzanstieg auf 4.421,1 Mio. Euro (Vorjahr: 3.763,9 Mio. Euro). Dieser ist insbesondere auf gestiegene Absatzmengen im Handelsgeschäft bei gleichzeitig gestiegenen Rohstoffpreisen zurückzuführen. Das Operative EBIT erhöhte sich auf 70,6 Mio. Euro (Vorjahr: 61,2 Mio. Euro). Im Energievertrieb hatte vor allem das Ausbleiben von Einmaleffekten, wie die Bildung von Rückstellungen für Drohverluste im Zusammenhang mit dem Betrieb des Erdgastankstellennetzes sowie eine Förderzusage für das Forschungszentrum DLR-Institut für Vernetzte Energiesysteme (vormals NEXT ENERGY) positiven Einfluss. Im Telekommunikationsbereich waren im Vorjahr Erträge aus einem Vergleichsverfahren enthalten.

Segment Ausland
Das Segment Ausland hatte eine Umsatzminderung auf 623,8 Mio. Euro (Vorjahr: 727,9 Mio. Euro) hinzunehmen. Dieser Rückgang betrifft im Wesentlichen das Türkei-Geschäft, in dem sich die Erlöse hauptsächlich bedingt durch Währungsumrechnung verringerten. Das Operative EBIT sank leicht auf 24,8 Mio. Euro (Vorjahr: 25,6 Mio. Euro).

Segment swb

Im Segment swb liegt der Umsatz im Berichtszeitraum mit 1.085,1 Mio. Euro im Wesentlichen aufgrund eines Anstiegs der Umsatzerlöse im Bereich der konventionellen Erzeugung über Vorjahresniveau (1.058,7 Mio. Euro). Das Operative EBIT sank deutlich auf 89,3 Mio. Euro (Vorjahr: 165,2 Mio. Euro). Das niedrigere Ergebnis resultiert aus dem Wegfall des bereits erwähnten Einmaleffektes aus der Neuordnung der betrieblichen Altersvorsorge.