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19.12.2012 - EWE AG

Energiewende: Nordwesten ist Deutschland um 30 Jahre voraus

Dr. Werner Brinker (EWE): Schon 70 Prozent Grünstrom im Netz / Erneuerbare Energien werden sich mehr als verdoppeln

Oldenburg, 19. Dezember 2012. Ob die Sonne scheint oder der Wind weht – immer mehr Strom aus erneuerbaren Quellen fließt durch die Netze im Nordwesten. Im Gebiet des Versorgers EWE speisten dieses Jahr rund 52.000 EEG-geförderte Wind-, Sonnen- und Biogasanlagen 9,8 Milliarden Kilowattstunden Strom ein – genug für fast drei Millionen Haushalte. Damit machen erneuerbare Energien bereits 70 Prozent des Stroms aus, den EWE NETZ transportiert.

Der Nordwesten ist ein Vorreiter der Energiewende, sagt Dr. Werner Brinker, Vorstandsvorsitzender des Oldenburger Energiekonzerns: „Heute schon haben wir einen höheren Anteil Erneuerbarer Energien in unseren Netzen, als ihn die Bundesregierung für Deutschland für das Jahr 2040 vorsieht.“

Dennoch biete EWE NETZ die höchste Versorgungssicherheit Europas. Lediglich vier Minuten Stromausfall pro Jahr müssen die Haushalte und Unternehmen der Region im Jahr verkraften. Auch die Zahl der vom Netzbetreiber veranlassten Notabschaltungen von Windrädern blieb 2012 trotz mehr Windstrom stabil. „Unsere bisherige Erfahrung im Nordwesten zeigt, dass eine sichere Versorgung auch mit einem hohen Anteil an Wind- und Sonnenenergie möglich ist, wenn die Netze engmaschig sind und aus einem Guss betrieben werden“, sagt Brinker.

70% mehr Erneuerbare Energien bis 2022 – Energiesysteme müssen angepasst werden

Das weiterhin rasante Wachstum von Wind- und Sonnenenergie hält den Energieversorger jedoch in Atem. In einer aktuellen Studie gelangt EWE zu der Prognose, dass die installierte Leistung an Erneuerbaren Energien im Nordwesten in den nächsten zehn Jahren um 70 Prozent steigt und sich in den nächsten zwanzig Jahren mehr als verdoppelt. „Da die Strommengen aus Sonne und Wind stark schwanken, stellt uns das vor große Herausforderungen“, erklärt Brinker. „Um den teuren Netzausbau so gering wie möglich zu halten, müssen wir die Energieerzeugung viel flexibler steuern können.“ Dazu gehörten schnell regelbare Anlagen wie das Gas- und Dampfturbinenkraftwerk, das der Konzern mit Partnern in Bremen errichtet, und die Vernetzung von Wind-, Solar- und Biogasanlagen zu „virtuellen Kraftwerken.“ Dennoch seien höhere Investitionen in die Netze unumgänglich.

„Unsere Netze gelangen trotz Ausbau an ihre Grenzen. Um weitere Anlagen einzubinden, müssen wir konzernweit alleine bis 2015 100 Millionen Euro in die Netzverstärkung investieren. Die Einführung intelligenter Stromzähler – eine wichtige Voraussetzung, um die Verbraucher intensiver in die neuen Energiesysteme einzubeziehen – wird mit weiteren 120 Millionen Euro zu Buche schlagen“, führt Brinker aus. Zusätzlich seien hohe Ausgaben für die nötige Aufrüstung der Netze mit Informations- und Steuertechnik und für die Entwicklung von Speichertechnologien nötig.

Hohe Netzentgelte – die Regulierungspolitik benachteiligt die Region.

Bei solchen Investitionen sieht sich das Unternehmen zunehmend vor politische Hürden gestellt. „Der Umbau der Energiesysteme muss mit dem Ausbau der Erneuerbaren Schritt halten können. Doch die Bundesnetzagentur erkennt Investitionen in den Netzausbau nur teilweise an – und Aufwendungen für Forschung und Entwicklung meist gar nicht,“ moniert Brinker. „So wird das Geld für Netzausbau und Stromspeicher knapp und die Netzentgelte steigen in unserer Region immer weiter an.“

Gerade in der Festlegung der Netzentgelte sieht Brinker eine ungerechte Behandlung für die Vorreiterregionen der Energiewende: „Die Netzbetreiber vor Ort – und damit die Stromkunden der Region, bleiben auf den Kosten des Netzausbaus sitzen: Wo die Energiewende schnell voranschreitet, steigen die Netzentgelte und der Strompreis liegt höher als in Regionen mit wenig Erneuerbaren Energien.“ Das benachteilige Haushalte und Unternehmen im Nordwesten. Brinker fordert deshalb, die Kosten für den Netzausbau, der notwendig ist, um die geförderten Wind-, Sonnen- und Biogasanlagen einzubinden, bundesweit gerecht zu verteilen.

„Generell ist der Ausbau der Verteilnetze ein wunder Punkt der Energiewende“, mahnt Brinker. „Bisher schaut die Politik in ihren Plänen auf den Ausbau der Erneuerbaren Energien und der Transportnetze, also die Energieautobahnen. Der Strom muss aber auch zu den Verbrauchern gelangen – und dafür braucht es die Verteilnetze als Stadt- und Landstraßen. Während Deutschland lediglich knapp 3.000 Kilometer neue Transportnetze benötigt, müssen bis 2020 bis zu 200.000 Kilometer Verteilnetze ausgebaut werden.“ Da die meisten Wind-, Sonnen- und Biogasanlagen an die Verteilnetze angeschlossen sein, entscheide deren Ausbau darüber, ob neue Stromerzeuger ans Netz gehen könnten.

„Die Energiewende wird im ländlichen Raum entschieden, wo die dezentralen Erzeugungsanlagen stehen und die Verteilnetze den Strom über weite Strecken übertragen müssen“, erklärt Brinker. Auch in dieser Hinsicht sei der Nordwesten ein Modell: „In Brüssel und Berlin mögen Ziele vorgegeben werden – doch ob und wie sie erreicht werden, muss hier vor Ort, in Wangerland oder Cloppenburg, gemessen werden.“ Bei dem Anliegen, Hürden für die Energiewende zu beseitigen, sei die Hauptstadt daher gut beraten, genau in die Region zu hören.