Da die Energiegewinnung mit Stein- und Braunkohle viele Emissionen ausstößt, steht diese Art der Stromerzeugung immer wieder in der Kritik. Kohleverstromung und die Energiewende lassen sich nicht miteinander vereinbaren, weshalb von vielen der Kohleausstieg gefordert wird. Durch die Abkehr von Kohlestrom, die Stilllegung der Kohlekraftwerke und die Förderung der erneuerbaren Energien sollen die Klimaschutzziele Deutschlands und Europas erreicht werden.
Kohleausstieg: Warum Deutschland aus der Kohle aussteigt
Deutschland will die Stromerzeugung aus Kohle bis spätestens 2038 beenden. Der Kohleausstieg ist ein wichtiger Bestandteil der Energiewende und soll dazu beitragen, den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren. Doch warum ist der Abschied von der Kohle notwendig? Wann werden die letzten Kraftwerke abgeschaltet? Und wie lässt sich die Stromversorgung künftig ohne Kohle sichern?
Der Kohleausstieg bezeichnet die schrittweise Beendigung der Stromerzeugung aus Braun- und Steinkohle. Beide gehören zu den fossilen Energieträgern. Sie sind über Millionen von Jahren aus pflanzlichem Material entstanden und stehen nur begrenzt zur Verfügung.
In Kohlekraftwerken wird Kohle verbrannt, um Wärme zu erzeugen. Daraus entsteht Wasserdampf, der über Turbinen und Generatoren in elektrischen Strom umgewandelt wird. Bei der Verbrennung wird allerdings viel Kohlendioxid (CO₂) freigesetzt. Dieses Treibhausgas trägt zur globalen Erwärmung bei.
Mit dem Kohleausstieg soll die Stromerzeugung schrittweise auf andere Energiequellen umgestellt werden. Eine zentrale Rolle spielen dabei erneuerbare Energien wie Windkraft und Photovoltaik.
Kohlekraftwerke verursachen bei der Stromerzeugung hohe CO₂-Emissionen. Insbesondere Braunkohle gehört zu den emissionsintensiven Energieträgern. Der Grund: Bei ihrer Verbrennung wird im Verhältnis zur erzeugten Strommenge besonders viel Kohlendioxid freigesetzt. Ein Ausstieg aus der Kohleverstromung kann deshalb erheblich dazu beitragen, die Treibhausgasemissionen des Energiesektors zu senken. Wie groß die Einsparungen tatsächlich sind, hängt allerdings davon ab, durch welche Energiequellen der Kohlestrom ersetzt wird.
Neben dem CO₂-Ausstoß hat die Nutzung von Kohle weitere Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit. Bei der Verbrennung können unter anderem Schwefeldioxid, Stickoxide, Feinstaub und Schwermetalle entstehen. Moderne Filteranlagen verringern einen Teil dieser Schadstoffemissionen, können sie aber nicht vollständig vermeiden. Auch der Kohleabbau greift in die Umwelt ein. Besonders der Braunkohletagebau verändert Landschaften und natürliche Lebensräume. Zudem kann die Absenkung des Grundwasserspiegels Auswirkungen auf den Wasserhaushalt der betroffenen Regionen haben. Der Kohleausstieg verfolgt deshalb mehrere Ziele: Er soll die CO₂-Emissionen der Stromerzeugung verringern und zugleich die Umweltbelastungen durch Kohleabbau und -verbrennung reduzieren.
In Deutschland ist der vollständige Kohleausstieg gesetzlich bis spätestens Ende 2038 vorgesehen. Grundlage dafür ist das 2020 beschlossene Kohleverstromungsbeendigungsgesetz, das häufig als Kohleausstiegsgesetz bezeichnet wird. Das Gesetz legt fest, dass die Stromerzeugung aus Braun- und Steinkohle schrittweise reduziert wird. Dafür werden Kohlekraftwerke nach einem festgelegten Zeitplan vom Netz genommen beziehungsweise dürfen keine Kohle mehr zur Stromerzeugung einsetzen.
In einigen Regionen erfolgt der Ausstieg früher. Für das Rheinische Braunkohlerevier in Nordrhein-Westfalen wurde vereinbart, die reguläre Braunkohleverstromung bereits 2030 zu beenden. Für andere Kohleregionen gilt weiterhin der gesetzliche Zeitrahmen bis spätestens 2038. Ob der bundesweite Kohleausstieg ebenfalls früher abgeschlossen werden kann, hängt unter anderem von der Entwicklung der Stromversorgung, dem Ausbau erneuerbarer Energien und der Versorgungssicherheit ab.
Das Kohleausstiegsgesetz schafft die rechtlichen Grundlagen für die schrittweise Beendigung der Kohleverstromung. Es legt unter anderem fest, wie die verbleibenden Kraftwerkskapazitäten reduziert werden und welche Regelungen für die Stilllegung gelten. Dabei unterscheidet das Gesetz zwischen Braun- und Steinkohlekraftwerken. Bei Steinkohlekraftwerken wurden Stilllegungen zunächst über Ausschreibungen organisiert. Für spätere Stilllegungen sieht das Gesetz vor allem gesetzlich geregelte Reduzierungen vor.
Der Kohleausstieg betrifft jedoch nicht nur die Energieversorgung. In den bisherigen Kohleregionen hängen auch Arbeitsplätze, Unternehmen und kommunale Einnahmen unmittelbar oder mittelbar mit dem Kohleabbau und der Stromerzeugung zusammen. Deshalb wird der Ausstieg durch Maßnahmen zum Strukturwandel begleitet. Sie sollen die wirtschaftliche Entwicklung der Regionen unterstützen und neue Beschäftigungsmöglichkeiten schaffen.
Obwohl der Kohleausstieg bereits begonnen hat, ist Kohle weiterhin ein Bestandteil des deutschen Strommixes. Nach Angaben der Bundesnetzagentur wurden im Jahr 2025 rund 67,2 Terawattstunden (TWh) Strom aus Braunkohle und 28,2 TWh aus Steinkohle erzeugt. Zusammen entspricht das rund 21,8 Prozent der realisierten Stromerzeugung in Deutschland. Der Anteil erneuerbarer Energien an dieser Stromerzeugung lag 2025 dagegen bei 58,8 Prozent. Den größten Beitrag leisteten Windenergieanlagen, gefolgt von Photovoltaik. Die Zahlen zeigen, wie stark sich die Stromerzeugung bereits verändert hat. Gleichzeitig machen sie deutlich, dass der vollständige Ersatz der Kohleverstromung weitere Veränderungen im Energiesystem erfordert.
Mit dem Kohleausstieg verändert sich die Zusammensetzung des deutschen Strommixes. Strom aus Braun- und Steinkohle muss schrittweise durch andere Energiequellen ersetzt werden. Gleichzeitig soll die Stromversorgung zuverlässig und bezahlbar bleiben. Eine wichtige Grundlage dafür ist der weitere Ausbau erneuerbarer Energien. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz sieht vor, dass ihr Anteil am deutschen Bruttostromverbrauch bis 2030 auf mindestens 80 Prozent steigen soll.
Eine besondere Herausforderung besteht darin, dass Wind- und Solarenergie wetterabhängig sind. Windenergieanlagen erzeugen nur Strom, wenn ausreichend Wind weht. Photovoltaikanlagen benötigen Sonnenlicht. Damit Erzeugung und Verbrauch jederzeit zusammenpassen, sind zusätzliche technische Lösungen erforderlich. Dazu gehören leistungsfähige Stromnetze, die Strom zwischen verschiedenen Regionen transportieren können. Stromspeicher ermöglichen es, Energie zeitversetzt zu nutzen. Flexible Kraftwerke und steuerbare Verbraucher können außerdem helfen, Schwankungen bei der Stromerzeugung auszugleichen.
Der Kohleausstieg ist damit weit mehr als die Abschaltung einzelner Kraftwerke. Er ist Teil eines grundlegenden Umbaus der Energieversorgung.
Der Kohleausstieg bringt unterschiedliche Veränderungen mit sich. Für den Klimaschutz bietet er die Möglichkeit, die Treibhausgasemissionen der Stromerzeugung deutlich zu senken. Zugleich verringert die Stilllegung von Kohlekraftwerken die mit ihrem Betrieb verbundenen Schadstoffemissionen.
Für die Energieversorgung bedeutet der Ausstieg, dass andere Erzeugungsanlagen und zusätzliche Infrastruktur benötigt werden. Entscheidend ist dabei das Zusammenspiel von erneuerbaren Energien, Stromnetzen, Speichern und flexibel einsetzbaren Kraftwerken.
Auch wirtschaftlich hat der Kohleausstieg Folgen. Besonders in ehemaligen und noch aktiven Kohleregionen verändert sich die Arbeitswelt. Der Strukturwandel soll dazu beitragen, neue wirtschaftliche Perspektiven zu entwickeln und Beschäftigungsmöglichkeiten zu schaffen.
Der Kohleausstieg ist deshalb ein langfristiger Prozess, bei dem Klimaschutz, Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und die Interessen der betroffenen Regionen miteinander in Einklang gebracht werden müssen.