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Klimaneutrales Unternehmen

Unternehmen verursachen durch ihre Geschäftstätigkeit Treibhausgasemissionen – beispielsweise bei der Produktion, durch den Energieverbrauch oder beim Transport von Waren. Um die Erderwärmung zu begrenzen, müssen diese Emissionen weltweit deutlich sinken. Auch Unternehmen können dazu beitragen, indem sie ihre Emissionen erfassen, konkrete Reduktionsziele festlegen und geeignete Maßnahmen umsetzen. In diesem Zusammenhang ist häufig von klimaneutralen Unternehmen die Rede. Doch was bedeutet Klimaneutralität eigentlich? Wie können Unternehmen ihre Emissionen verringern? Und welche Rolle spielen Zertifikate?

Was heißt klimaneutral?

Klimaneutralität beschreibt einen Zustand, in dem menschliche Aktivitäten insgesamt keine zusätzliche Erwärmung des Klimas verursachen. Im Zusammenhang mit Unternehmen wird der Begriff häufig verwendet, wenn eine ausgeglichene Treibhausgasbilanz beansprucht wird. Entscheidend ist dabei, welche Emissionen berücksichtigt werden und wie diese Bilanz zustande kommt.

Davon zu unterscheiden ist das wissenschaftlich definierte Ziel der Netto-Null-Emissionen, auch Net Zero genannt. Dabei werden die Treibhausgasemissionen zunächst umfassend reduziert. Verbleibende, schwer vermeidbare Emissionen müssen durch die Entnahme einer entsprechenden Menge Treibhausgase aus der Atmosphäre ausgeglichen werden. Die bloße Finanzierung von Klimaschutzprojekten, die an anderer Stelle Emissionen vermeiden, ist damit nicht gleichzusetzen.

Eine wichtige Rolle spielen sogenannte Kohlenstoffsenken. Dazu gehören beispielsweise Wälder, Böden und Ozeane, die Kohlenstoff aus der Atmosphäre aufnehmen können. Daneben gibt es technische Verfahren, mit denen Kohlendioxid direkt aus der Luft entfernt und dauerhaft gespeichert werden kann. Wie dauerhaft und zuverlässig die Speicherung ist, hängt vom jeweiligen Verfahren ab.

Was macht ein klimaneutrales Unternehmen aus?

Unternehmen, die ihre Treibhausgasemissionen langfristig auf Netto-Null senken möchten, müssen zunächst wissen, wo und in welchem Umfang Emissionen entstehen. Dafür erstellen sie eine Treibhausgasbilanz. Sie erfasst verschiedene Arten von Emissionen, die in drei Bereiche – sogenannte Scopes – unterteilt werden:

  • Scope 1 – direkte Emissionen: Dazu zählen Treibhausgase, die unmittelbar durch eigene Anlagen, Produktionsprozesse oder Fahrzeuge des Unternehmens entstehen.
  • Scope 2 – indirekte Emissionen aus eingekaufter Energie: Hierzu gehören beispielsweise Emissionen, die bei der Erzeugung des bezogenen Stroms oder der eingekauften Wärme entstehen.
  • Scope 3 – weitere indirekte Emissionen: Dazu zählen unter anderem Emissionen aus der Herstellung eingekaufter Waren, dem Transport von Produkten, Geschäftsreisen sowie der Nutzung und Entsorgung verkaufter Produkte.

Auf Grundlage dieser Bilanz können Unternehmen Reduktionsziele festlegen und Maßnahmen entwickeln. Dabei geht es nicht nur um den eigenen Energieverbrauch, sondern auch um Emissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Zu den möglichen Maßnahmen gehören der Einsatz erneuerbarer Energien, die Verbesserung der Energieeffizienz, emissionsärmere Produktionsverfahren und Veränderungen bei der betrieblichen Mobilität.

Die Finanzierung externer Klimaschutzprojekte kann eine ergänzende Maßnahme sein. Sie ersetzt jedoch nicht die Reduktion der eigenen Treibhausgasemissionen.

Erneuerbare Energien und Energieeffizienz

Ein wichtiger Ansatz zur Verringerung betrieblicher Treibhausgasemissionen ist die Umstellung der Energieversorgung. Erneuerbare Energien wie Windkraft und Solarenergie verursachen bei der Stromerzeugung über ihren gesamten Lebenszyklus betrachtet in der Regel deutlich weniger Treibhausgasemissionen als fossile Energieträger wie Kohle oder Erdgas.

Vollständig emissionsfrei sind allerdings auch erneuerbare Energietechnologien nicht. Beispielsweise werden für die Herstellung und den Bau von Windenergie- und Photovoltaikanlagen Rohstoffe und Energie benötigt. Bei der Nutzung von Biomasse können zudem unmittelbar Treibhausgase entstehen. Die tatsächliche Klimawirkung hängt deshalb von der eingesetzten Technologie und den jeweiligen Rahmenbedingungen ab.

Neben der Energieversorgung spielt auch die Energieeffizienz eine wichtige Rolle. Unternehmen können ihren Energiebedarf beispielsweise durch moderne Gebäudetechnik, effizientere Maschinen oder die Nutzung von Abwärme verringern. Auch einfache Maßnahmen helfen, unnötigen Energieverbrauch zu vermeiden – etwa das Abschalten nicht benötigter Geräte und Anlagen.

Welche Maßnahmen besonders wirksam sind, hängt von der Branche, den Produktionsverfahren und dem individuellen Energiebedarf des Unternehmens ab.

Mobilität

Auch die betriebliche Mobilität verursacht Treibhausgasemissionen. Dazu gehören Geschäftsreisen, Dienstfahrzeuge und gegebenenfalls der Transport von Waren.

Unternehmen können diese Emissionen auf unterschiedliche Weise verringern. So lassen sich manche Geschäftsreisen durch Videokonferenzen ersetzen. Bei notwendigen Reisen kann die Wahl des Verkehrsmittels einen Unterschied machen: Eine Bahnfahrt verursacht bei vergleichbaren Strecken in Deutschland in der Regel deutlich weniger Treibhausgasemissionen pro Person als eine Flugreise.

Weitere Möglichkeiten sind die Umstellung von Fahrzeugflotten auf elektrische Antriebe und eine effizientere Planung von Transportwegen. Wie groß die möglichen Einsparungen ausfallen, hängt unter anderem von der Fahrleistung, der Fahrzeugtechnik und der genutzten Energie ab.

Welche Rolle spielen Zertifikate bei der Klimaneutralität?

Unternehmen können ihre Treibhausgasbilanz und ihre Maßnahmen zur Emissionsreduzierung durch unabhängige Stellen überprüfen lassen. Dabei kommen unterschiedliche Standards, Prüfverfahren und Zertifikate zum Einsatz. Sie erfüllen jedoch nicht alle denselben Zweck. Eine geprüfte Treibhausgasbilanz dokumentiert beispielsweise, welche Emissionen ein Unternehmen innerhalb festgelegter Bilanzgrenzen verursacht. Andere Prüfverfahren können bestätigen, ob bestimmte Klimaziele oder Managementsysteme definierte Anforderungen erfüllen.

Davon zu unterscheiden sind Zertifikate aus Klimaschutzprojekten. Mit ihnen können Unternehmen beispielsweise Maßnahmen finanzieren, die an anderer Stelle Treibhausgasemissionen vermeiden, reduzieren oder Kohlendioxid aus der Atmosphäre entfernen. Solche Projekte können einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Der Erwerb entsprechender Zertifikate bedeutet jedoch nicht automatisch, dass ein Unternehmen seine eigenen Emissionen ausreichend reduziert hat oder klimaneutral ist. Entscheidend ist deshalb, welche konkrete Aussage durch einen Nachweis belegt wird. Eine Zertifizierung oder die Finanzierung eines Klimaschutzprojekts allein reicht nicht aus, um die Klimaneutralität eines Unternehmens nachzuweisen.

Auch bei Produkten und Dienstleistungen ist eine genaue Unterscheidung erforderlich. Eine Werbeaussage, nach der ein Produkt aufgrund von CO₂-Kompensation klimaneutral sei oder eine verringerte Klimawirkung habe, ist nach den seit September 2026 geltenden Vorgaben des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) unzulässig. Für Unternehmen ist daher vor allem Transparenz wichtig: Eine nachvollziehbare Treibhausgasbilanz, überprüfbare Reduktionsziele und dokumentierte Fortschritte machen deutlich, welche Maßnahmen tatsächlich umgesetzt wurden und welche Emissionen weiterhin entstehen.

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