EWE hat gemeinsam mit EnBW einen Vorschlag zur Weiterentwicklung der Rahmenbedingungen beim Netzanschluss erneuerbarer Energien erarbeitet. Ziel ist es, den weiteren Ausbau der Erneuerbaren nicht zu gefährden und gleichzeitig die Kosten für das Energiesystem zu begrenzen. Im Mittelpunkt steht ein gemeinsam entwickeltes Konzept für sogenannte flexible Netzanschlussverträge (Flexible Connection Agreements, FCA). Hintergrund ist die aktuelle Diskussion über eine mögliche Neuregelung des Netzanschlussverfahrens. Dabei stehen sich teilweise unterschiedliche Interessen von Netzbetreibern und Projektentwicklern gegenüber. Als integrierte Energieunternehmen mit eigener Erzeugung aus erneuerbaren Energien sowie umfangreicher Verteilnetzinfrastruktur bringen EWE und EnBW beide Perspektiven zusammen – und haben daraus einen gemeinsamen Lösungsvorschlag entwickelt. „Die Energiewende braucht weiter Tempo – aber auch Verlässlichkeit. Für Investitionen in erneuerbare Energien sind klare und planbare Rahmenbedingungen entscheidend“, sagt Stefan Dohler, Vorstandsvorsitzender der EWE AG. „Gleichzeitig müssen wir die Netze effizient auslasten und Systemkosten begrenzen. Gemeinsam mit EnBW haben wir deshalb einen Vorschlag erarbeitet, der beides zusammenbringt.“ Dessen Vorstandsvorsitzender Georg Stamatelopoulos ergänzt: „Mit unserem Vorschlag für flexible Netzanschlussverträge schaffen wir eine ausgewogene Lösung, die sowohl den Ausbau der Erneuerbaren Energien als auch die Anforderungen an eine sichere Netzinfrastruktur berücksichtigt.“
Maximal 200 Volllaststunden im Jahr ohne Kompensation
Der gemeinsame Ansatz von EWE und EnBW sieht vor, bei Netzengpässen nicht pauschal in den Ausbau erneuerbarer Energien einzugreifen, sondern gezielt Anreize für netzdienliches Verhalten zu setzen. Flexible Netzanschlussverträge ermöglichen es, Anlagen schneller ans Netz zu bringen, auch wenn dieses lokal noch nicht vollständig ausgebaut ist. Voraussetzung ist eine transparente Identifikation leistungslimitierter Netzbetriebsmittel, etwa dann, wenn in netzplanerischen Simulationen die abgeregelte Einspeisemenge im Dreijahresdurchschnitt mehr als 10 bis 15 Prozent der potenziellen Einspeisung beträgt oder in besonders belasteten PV-dominierten Netzgebieten in bis zu 5 bis 10 Prozent der Viertelstunden eines Jahres Netzkapazitäten überschritten werden. Auf dieser Basis können neue Anlagen über einen flexiblen Netzanschlussvertrag mit einer typischen Laufzeit von fünf Jahren ans Netz gehen. Während dieses Zeitraums übernehmen Einspeiser einen klar definierten Anteil an Abregelungsrisiken, indem für maximal 200 Volllaststunden pro Jahr keine Kompensation bei Redispatch-Maßnahmen erfolgt. Durch die Kombination aus Planbarkeit für Investoren und effizienterer Netznutzung kann der Ausbau erneuerbarer Energien weiter beschleunigt werden, ohne die Kosten unnötig zu erhöhen.
Der gemeinsam entwickelte Vorschlag von EWE und EnBW versteht sich als konstruktiver Beitrag zur aktuellen energiepolitischen Debatte und zur Weiterentwicklung eines zukunftsfähigen Stromsystems in Deutschland. „Ein pauschaler Redispatch-Vorbehalt würde erhebliche Unsicherheiten schaffen und könnte Investitionen ausbremsen. Unser gemeinsamer Vorschlag mit EnBW schafft stattdessen ein ausgewogenes System: Er ermöglicht weiterhin Wachstum bei den Erneuerbaren und setzt gleichzeitig die richtigen Anreize für eine netzorientierte Standortwahl“, so Dohler weiter. Neben regulatorischen Anpassungen betonen EWE und EnBW die Notwendigkeit eines deutlich beschleunigten Netzausbaus – nicht nur auf Verteilnetzebene, sondern auch in den vorgelagerten Netzebenen. Engpässe entstehen entlang der gesamten Netzkette und müssen systemisch adressiert werden. Nur mit schnelleren Genehmigungsverfahren und abgestimmten regulatorischen Rahmenbedingungen kann die Energiewende insgesamt erfolgreich umgesetzt werden.