Der Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft entscheidet sich nicht am Reißbrett, sondern in der Praxis. Wie konkrete Projekte umgesetzt werden – und wo regulatorische Vorgaben Investitionen bremsen – darüber informierte sich eine Delegation des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) bei einem dreitägigen Besuch in Emden, Huntorf und Oldenburg.
Im Mittelpunkt standen die im Bau befindliche 320-Megawatt-Elektrolyseanlage in Emden sowie der Speicherstandort Huntorf, an dem eine bestehende Erdgaskaverne für die Speicherung von Wasserstoff umgerüstet wird. Beide Projekte zeigen: Die technische Umsetzung schreitet voran. Gleichzeitig wird deutlich, dass zentrale Fragen zur Wirtschaftlichkeit und zum regulatorischen Rahmen noch ungelöst sind.
Praxis trifft Politik
„Wir erleben im Projektalltag sehr konkret, wo regulatorische Vorgaben den Hochlauf verlangsamen oder unnötig verkomplizieren“, sagt Tjark Melchert, Referent Politische Angelegenheiten bei EWE. „Diese Erfahrungen müssen frühzeitig in politische und verbandliche Diskussionen einfließen.“
Diskutiert wurden unter anderem die aktuellen EU-Vorgaben für grünen Wasserstoff, Fragen der Zertifizierung, Netzentgelte für Elektrolyseure sowie die Abstimmung zwischen Stromnetz- und Wasserstoffinfrastruktur. Aus Sicht von EWE ist klar: Ohne verlässliche und investitionsfreundliche Rahmenbedingungen droht der Markthochlauf ins Stocken zu geraten.
„Technisch sind viele Lösungen vorhanden. Entscheidend ist jetzt, dass regulatorische Rahmenbedingungen Planungssicherheit schaffen und Investitionen ermöglichen“, betont Dr. Geert Tjarks, Leiter Geschäftsfeldentwicklung Großspeicher und Wasserstoff bei EWE. Der direkte Austausch mit den Fachleuten des BDEW sei deshalb von großer Bedeutung.
Marktdesign als Schlüssel
Auch der BDEW bewertet die Einblicke in die Praxis als wichtigen Impuls. „Konkrete Projektbesuche helfen uns, politische Positionen noch stärker an realen Herausforderungen auszurichten“, sagt Birte Sönnichsen, Fachgebietsleiterin Marktgestaltung Wasserstoff beim BDEW. „Der Hochlauf gelingt nur, wenn regulatorische Vorgaben, Marktmechanismen und Infrastrukturentwicklung konsequent zusammengedacht werden.“
Für EWE ist der Dialog mit Politik und Verbänden ein zentraler Bestandteil der Transformationsstrategie. Als Unternehmen, das sowohl Erzeugung als auch Speicherung und perspektivisch Transportinfrastruktur für Wasserstoff entwickelt, bringt EWE praktische Erfahrung in die energiepolitische Debatte ein.
Das Ziel bleibt klar: Hemmnisse offen benennen, tragfähige Lösungen aufzeigen und die Rahmenbedingungen so weiterentwickeln, dass Investitionen in Wasserstoffprojekte wirtschaftlich und systemdienlich umgesetzt werden können. Der Besuch des BDEW hat gezeigt, wie wichtig der enge Austausch zwischen Praxis und Politik für den erfolgreichen Markthochlauf ist.