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Rebound-Effekt

Der Rebound-Effekt gilt als nicht zu unterschätzende Begleiterscheinung von Effizienzmaßnahmen. Er kann diese nachhaltig beeinflussen und anfängliche Effizienzgewinne bei der Produktion von Gütern und der Durchführung von Prozessen zunichtemachen. Was ist also der Rebound-Effekt genau und welche Auswirkungen hat er auf Verbraucher, Produkte und das Wirtschaftswachstum?

Was ist der Rebound-Effekt?

Trotz Effizienzsteigerung keine oder nur geringe Ersparnis zu verzeichnen

Der Rebound-Effekt geht auf den englischen Begriff „rebound“ zurück, der im Deutschen „Abprall“ oder „Rückschlag“ bedeutet. Aus diesem Grund wird der Rebound-Effekt mitunter auch als Bumerang-Effekt bezeichnet. Einfach erklärt beschreibt der Rebound-Effekt, dass trotz einer Effizienzsteigerung in einem Bereich letztendlich keine oder nur eine geringere Ersparnis zu verzeichnen ist.

Wenn beispielsweise für die Produktion von Gütern durch technischen Fortschritt weniger Ressourcen wie Energie, Wasser oder Rohstoffe benötigt werden, können sie günstiger produziert und verkauft werden. Dies regt wiederum Verbraucher dazu an, mehr dieser günstigeren Produkte zu nutzen und zu kaufen, sodass unter dem Strich genau so viele oder mehr Ressourcen als zuvor verbraucht werden.

Positiv für das Wirtschaftswachsums, aber negativ für das Klima

Der englische Ökonom William Jevons beschrieb dieses Phänomen im 19. Jahrhundert als einer der Ersten. Das sogenannte Jevons‘ Paradoxon bezeichnet den Vorgang, dass Maßnahmen zum Sparen dazu führen, dass gewisse Güter vermehrt nachgefragt und konsumiert werden. Somit wird mitunter der gegenteilige Effekt dessen erzielt, was eigentlich erreicht werden sollte. Gleichzeitig ist das Jevons‘ Paradoxon eine nützliche Erkenntnis zur Steigerung des Wirtschaftswachstums.

Geht es jedoch um Einsparungen bei Energie- und Ressourcenverbrauch, um das Klima zu schützen und Emissionen zu vermeiden, wirkt sich der Rebound-Effekt negativ aus und sollte im Vorhinein einkalkuliert werden.

Beispiele für die Arten des Rebound-Effekts

Der Rebound-Effekt kann sich auf verschiedene Arten äußern:

Direkter Rebound

Der direkte Rebound-Effekt kommt genau bei einem Produkt oder in einem Bereich zur Geltung. Durch Effizienzgewinne wird dieses Produkt günstiger in der Anschaffung oder Nutzung. In der Folge wird es häufiger gekauft oder intensiver genutzt, sodass sich dennoch keine Einsparungen ergeben.

Ein Beispiel hierfür sind Energiesparlampen: LEDs oder andere Energiesparlampen können die Energieeffizienz deutlich steigern und Sparsamkeit fördern. In der Realität tritt jedoch häufig ein direkter Rebound-Effekt ein: Da die Energiesparlampen nun weniger Energie verbrauchen, schaffen Verbraucher mehr Lampen an oder nutzen solche mit höherer Leuchtkraft – die Einsparungen werden somit überkompensiert.

Gleiches passiert häufig bei größeren Gütern wie Autos: Verzeichnen diese einen Effizienzgewinn und werden günstiger, kaufen Verbraucher beim nächsten Autokauf statt eines vergleichbaren, nunmehr günstigeren Fahrzeugs eher zum gleichen Preis ein größeres Modell, das im Energie- und Ressourcenverbrauch weniger Einsparungen erzielt. Sind die Fahrzeuge im Spritverbrauch darüber hinaus zunehmend sparsamer, verleitet dies dazu, das Auto öfter und für längere Strecken zu nutzen.

Systemischer Rebound

Systemische Rebound-Effekte betreffen Effizienzsteigerungen bei Technologien, die eine gesamtgesellschaftliche Wirkung entfalten. Werden große Effizienzgewinne bei technischen Verfahren erzielt, können die Preise signifikant sinken, was einen Anstieg der Nachfrage und des Konsums über alle gesellschaftlichen Schichten hinweg auslösen kann.

Dies war zum Beispiel im Verkehrssektor der Fall: Besaßen die Deutschen Anfang der 50er-Jahre rund 518.000 Autos, stieg diese Zahl bis zum Ende des Jahrzehnts auf 3,5 Millionen. Da die Technologie günstiger und erschwinglicher wurde, ist der Besitz eines Autos mittlerweile in fast allen Gesellschaftsschichten Normalität. 

Weitere Arten vom Rebound-Effekt

Indirekter Rebound

Der indirekte Rebound betrifft das Konsum- und Nutzungsverhalten der Verbraucher im Allgemeinen. Wird der Kauf oder die Nutzung bestimmter Güter effizienter oder günstiger, investieren die Verbraucher die eingesparten Ressourcen oder das gesparte Geld in einem anderen Bereich und verbrauchen somit dort wiederum mehr Energie.

Sparen Verbraucher beispielsweise Geld beim Autokauf oder dank der Effizienzsteigerungen bei Spritkosten, investieren sie die Einsparungen woanders: zum Beispiel in teure und ressourcenintensive Flugreisen.

Psychologischer Rebound

Beim psychologischen Rebound handelt es sich um einen moralischen Bumerang-Effekt: Hat man als Verbraucher auf bestimmte Güter verzichtet, um sparsam oder nachhaltig zu leben, hält man nach einiger Zeit womöglich einen Rückfall in alte Verhaltensmuster oder weniger sparsames Verhalten in einem anderen Bereich für gerechtfertigt.

Verzichtet man beispielsweise aus Klimaschutz-Gründen auf das Auto und fährt nur noch mit dem Fahrrad, fühlt sich die anschließende Buchung einer umweltschädlichen Kreuzfahrtreise nicht so schlimm an, da man zuvor sparsam gelebt hat.

Rebound-Effekte und Klimaschutz

Theoretisch sind mehr Einsparungen möglich

Energieeffizienzsteigerungen zählen neben dem Ausbau der erneuerbaren Energien zu einer der Hauptstrategien der Energiewende. Ein sparsamer Energie- und Ressourcenverbrauch trägt zum Klimaschutz und zur Energiesicherheit bei. Technologische und politische Fortschritte zur Effizienzsteigerung werden durch Rebound-Effekte somit stark gefährdet.

Das Umweltbundesamt (UBA)  geht zum Beispiel davon aus, dass im Bereich der Raumwärmenutzung zwischen 10 und 30 Prozent der Effizienzgewinne aufgrund des Rebound-Effekts verpuffen. Im Verkehrssektor könnte die Zahl laut UBA bis ca. 20 Prozent betragen. Die tatsächlichen Einsparungen beim Energie- und Ressourcenverbrauch können somit weit unter den theoretisch möglichen oder vorausgesagten liegen. Dies hat damit auch einen negativen Effekt auf Klimaziele und erschwert zukünftige Berechnungen zum Energieverbrauch und möglichen Effizienzsteigerungen.

Folgen für die Umwelt- und Klimapolitik

Damit sich Rebound-Effekte möglichst wenig auf das Erreichen der Klimaziele auswirken, muss die Politik diese einkalkulieren und entsprechende Maßnahmen ergreifen. Folgende Instrumente können dabei helfen, Rebound-Effekte einzudämmen:

  • Anspruchsvollere Vorgaben für Energieeffizienz: Viele Produkte und Güter, beispielsweise Leuchtmittel, Heizkörper oder andere elektrische Geräte wie Kühlschränke oder Waschmaschinen müssen bestimmte Vorgaben bezüglich ihrer Energieeffizienz erfüllen. Damit Rebound-Effekte die damit erzielten Einsparungen nicht überkompensieren, kann die Politik von vorneherein anspruchsvollere Vorgaben aufstellen. Entfällt ein Teil der Einsparungen dann aufgrund von Bumerang-Effekten, können die angestrebten Energieeffizienzsteigerungen dennoch erreicht werden.
  • Erhöhte Umweltabgaben: Sinken die Preise bestimmter Produkte und besteht in der Folge das Risiko, dass diese nun vermehrt nachgefragt und konsumiert werden, kann die Politik mit erhöhten Umweltabgaben reagieren. Preissenkungen werden so abgefangen und einer erhöhten Nachfrage vorgebeugt. Indirekt ist beispielsweise die CO2-Steuer auf Benzin eine solche Maßnahme: Damit dank eines sparsameren Ressourcenverbrauchs der Fahrzeuge nicht mehr Benzin für weitere Strecken getankt wird, lässt die CO2-Steuer den Kauf von Treibstoff weniger attraktiv wirken und regt zum Nachdenken über alternative Energien wie elektrobetriebene Autos an.
  • Absolute Obergrenzen: Das Festlegen absoluter Obergrenzen kann eine weitere Maßnahme sein, um gesteigerten Konsum in bestimmten Bereichen aufgrund von Rebound-Effekten vorzubeugen. Ein Beispiel hierfür sind festgelegte Quoten beim Fischfang, um Überfischung zu verhindern.
  • Emissionen regulieren: Ein weiterer politischer Ansatz sieht vor, nicht den Konsum bestimmter Güter oder Produkte zu regulieren, sondern die Emissionen, die im Zusammenhang mit diesen entstehen. Solche Maßnahmen sind bereits mit dem europäischen und deutschen Emissionshandel erfolgreich umgesetzt. Der Handel mit Emissionszertifikaten regt Unternehmen dazu an, Emissionen zu vermeiden und klimafreundlicher zu produzieren. Ungeachtet der Nachfrage wird so dazu beigetragen, den Energieverbrauch nachhaltig zu senken und Rebound-Effekten weniger Wirkung zu ermöglichen.

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