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Kohleausstieg

Kohle gehört zusammen mit Erdöl und -gas zu den fossilen Brennstoffen, die für die Gewinnung von Strom eingesetzt werden. Um Strom aus Kohle zu erzeugen, wird der Energieträger verbrannt, wobei CO2 und Feinstaub freigesetzt wird. Diese haben einen negativen Einfluss auf die Umwelt, das Klima und die menschliche Gesundheit.

Da die Energiegewinnung mit Stein- und Braunkohle viele Emissionen ausstößt, steht diese Art der Stromerzeugung immer wieder in der Kritik. Kohleverstromung und die Energiewende lassen sich nicht miteinander vereinbaren, weshalb von vielen der Kohleausstieg gefordert wird. Durch die Abkehr von Kohlestrom, die Stilllegung der Kohlekraftwerke und die Förderung der erneuerbaren Energien sollen die Klimaschutzziele Deutschlands und Europas erreicht werden.

Warum ein Kohleausstieg?

Warum ein Kohleausstieg von vielen als sinnvoll angesehen wird, liegt vor allem an den negativen Auswirkungen, die die Energieerzeugung mit Kohle mit sich bringt. Denn um Energie zu erzeugen, werden Stein- oder Braunkohle verbrannt. Bei der Verbrennung von Kohle werden Emissionen wie CO2 ausgestoßen. Das erhöhte Aufkommen von CO2 in der Atmosphäre sorgt dafür, dass sich das Klima auf unserer Erde verändert. Bei der Verbrennung werden neben CO2 auch anderer Feinstaub und Schwermetalle freigesetzt. Besonders Quecksilber ist problematisch, da es sich negativ auf das Nervensystem auswirkt.

Panorama eines Kohlekraftwerks an einem Fluss

Doch bereits vor der Verbrennung hat Kohle einen negativen Einfluss auf die Umwelt. Der Abbau von Kohle zerstört Landschaften und wertvolle Biotope. Zudem braucht man viel Trinkwasser, um Kohle abzubauen. Nicht nur Kohle ist schädlich für das Klima, sondern auch andere fossile Brennstoffe wie Erdöl und -gas. Erdgas erzeugt jedoch effizienter Energie und stößt weniger Treibhausgase bei der Verbrennung aus als Kohle.

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass sich die Kohleverstromung nicht nur negativ auf das Klima und die Umwelt auswirkt, sondern durch den Feinstaub auch auf die Gesundheit. Aus diesen Gründen gibt es viele, die den Ausstieg aus der Kohleverstromung befürworten.

Kohleausstieg in Deutschland

In Deutschland gibt es derzeit mehr als 100 aktive Kohlekraftwerke, die Strom produzieren. Da Braunkohlekraftwerke weniger effizient als Steinkohlekraftwerke sind, wird sich zuerst auf die Abschaltung dieser Anlagen fokussiert. Die Stilllegung der Kohlekraftwerke soll zwischen 2022 und 2035 stattfinden, wobei einige davon wie das Kraftwerk Moorburg in Hamburg schon 2020 vom Netz genommen wurden.

Die Bundesregierung hat 2018 die Kommission „Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“ eingesetzt, um die Interessen der unterschiedlichen gesellschaftlichen Akteure auszugleichen und einen Konsens über den Ausstieg der Kohleverstromung herzustellen. Die Kommission empfiehlt bis spätestens 2038 das Ende des Kohlestroms. Daraus resultiert ein immenser Strukturwandel. Damit ist Deutschland die Energiewende und der Ausstieg ernster als anderen Ländern wie zum Beispiel China, die erst 2060 eine Energiewende erreichen wollen und sogar neue Kraftwerke und Kohleminen eröffnen.

Dass der Kohleausstieg in Deutschland nicht nur bei der Bundesregierung und in der Klimapolitik, sondern auch in der Bevölkerung ein Thema ist, zeigen auch diverse Studien. Eine Studie von YouGov im Auftrag von WWF zeigt, dass die deutsche Bevölkerung dem Kohleausstieg positiv gegenübersteht und sich für einen schnellen Ausstieg für den Klimaschutz ausspricht. Nur etwa 20 % halten an der Kohleenergie fest, da der Energieträger sicher für die Zukunft sei. Dies mag auch daran liegen, dass Kohle zu den günstigen Energieträgern gehört, wobei dies sicherlich stark mit anhaltenden Subventionen durch staatliche Stellen zusammenhängt. Die Studie wurde vor Beginn des Angriffskriegs auf die Ukraine erhoben. Daher können die Zahlen in aktuellen Befragungen durchaus abweichen. Gerade vor dem Hintergrund der Energieabhängigkeit von russischen Energieträgern wird die Frage des Kohleausstiegs neu diskutiert.

Kohleausstiegsgesetz

Das Gesetz zur Reduzierung von Kohlekraft in Deutschland heißt Kohleausstiegsgesetz. Es wurde im Jahr 2020 beschlossen. In dem Gesetz wird dargelegt, dass die Stromversorgung mit Steinkohle beendet werden soll. Bis 2027 kann die Stilllegung der Kraftwerke freiwillig geschehen, dann wird es eine ordnungsrechtliche Anordnung. Ebenfalls geht es hier um die Entschädigungen für Kraftwerksbetreibende und Anreize für die Verwendung von klimafreundlichen Energieträgern. Falls es durch den Kohleausstieg zu einem Preisanstieg kommt, regelt das Gesetz ebenfalls bestimmte Kompensationen für die Verbraucher.

Kohleausstieg und Klimaschutz

Ein schneller Ausstieg aus der Kohle spart Unmengen an CO2 ein und verlangsamt die Erderwärmung

Das Ausschalten der Kraftwerke ist wichtig, um vereinbarte Klimaziele zu erreichen wie die des Pariser Klimaschutzabkommens. Denn nur mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien Wasserkraft, Wind-, Sonnenergie, Geothermie und Biomasse und der Abkehr von fossilen Brennstoffen kann eine Energiewende erreicht werden.

Laut Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) können durch den Kohleausstieg von 2020 bis 2030 rund zehn Millionen Tonnen CO2-Emissionen pro Jahr eingespart werden. Noch mehr würde man sparen, wenn der Kohleausstieg nicht erst im Jahr 2038, sondern schon drei Jahre früher stattfinden würde. Ein schnellerer Ausstieg würde sich demnach positiv auf den Klimaschutz auswirken.

Auswirkungen auf erneuerbare Energien

Durch den Wegfall der Kohlekraftwerke muss ein Strukturwandel in Deutschland erfolgen, um den Energiebedarf der Bevölkerung zu decken. Das Kohleausstiegsgesetz besagt, dass im Jahr 2030 65 % des Stromverbrauchs auf erneuerbaren Energien beruhen muss. Das bedeutet, dass diese für die Einhaltung des Gesetzes und für die Versorgung der Bevölkerung immens ausgebaut werden müssen.

Der Ausbau von Windenergie war im Jahr 2021 so langsam wie vor vielen Jahren nicht mehr. In diesem Jahr wurden nur etwa 460 neue Anlagen in Betrieb genommen, während es vier Jahre früher noch ungefähr 2000 Windkraftanlagen waren. Das Problem sind die Vorschriften für den Bau und das Verfahren für die Ausschreibungen. Diese müssten vereinfacht werden beziehungsweise schneller vorangehen, damit wir die Energiewende und die Klimaziele erreichen können.

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