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Gebäudehülle

Die Gebäudehülle beschreibt unter anderem alle nach außen liegenden Bauteile eines Gebäudes wie Wände, Fenster oder Türen. Die energieeffiziente Planung sowie Sanierung von Gebäudehüllen bietet großes Potenzial für Energieeinsparungen und stellt daher eine wichtige Maßnahme im Rahmen des Klimaschutzes dar. Doch was gehört alles zur Gebäudehülle, welche Funktionen erfüllt sie und welche Anforderungen werden an sie gestellt?

Gebäudehülle Definition

Die Gebäudehülle trennt das Innere eines Gebäudes vom Äußeren und umfasst somit alle Bauteile, die ein Gebäude nach außen hin abgrenzen. Sie sorgt damit unter anderem für Luftdichtheit und Wärmeschutz. Die Ausgestaltung der Gebäudehülle und all ihrer Komponenten gehört zur Architektur und zum Bauingenieurwesen.

Folgende Komponenten sind Teil der Gebäudehülle:

  • Außenwände (Fassade)
  • Bodenplatte
  • Fenster
  • Türen
  • Dach

Die Gebäudehülle bietet dank dieser Bauteile in vielerlei Hinsicht Schutz vor der Außenwelt, beispielsweise vor folgenden Dingen:

  • Außenluft
  • Erdreich
  • Außentemperatur (von Luft und Erde)
  • Niederschlag
  • Wind
  • Grundwasser
  • Außengeräuschen
  • Strahlungen
  • Fremden Personen und Tieren

Was ist die thermische Gebäudehülle?

Die thermische Gebäudehülle ist ein spezifischer Teil der Gebäudehülle und besteht aus allen Bauteilen, die beheizte Räume von unbeheizten Räumen, Außenluft und dem Erdreich trennen. Dazu zählen neben den oben genannten somit auch Geschossdecken und Wände im Inneren des Hauses, die beispielsweise den unbeheizten Keller, Dachboden oder Vorratsräume vom Rest des Gebäudes isolieren. 

Funktionen der Gebäudehülle

Die Gebäudehülle nimmt mit Blick auf die Architektur und das Bauingenieurwesen einige wichtige Funktionen ein:

  1. Stützfunktion: Zunächst muss das Mauerwerk in Form von Wänden, Decken und Dach so stabil konstruiert sein, dass es großen Lasten und Beanspruchungen standhalten kann. Hierzu zählen zum Beispiel Schneelasten, Niederschlag und Sturm, die die Konstruktion des Gebäudes belasten.

  2. Energiefluss: Jegliche Bauteile der Gebäudehülle müssen zudem einen sinnvollen und ressourcenschonenden Fluss von Energie ermöglichen. Das bedeutet, dass sich zum einen die Luft gleichmäßig in den Räumen verteilen und ausgetauscht werden kann, dass der Verbrauch von Energie wie Strom und Wärme so gering wie möglich ausfällt und dass Kondensation von feuchter Luft vermieden wird.

  3. Sicherung der Privatsphäre: Die Gebäudehülle mit Außenwänden, Türen und Fenstern sorgt zudem dafür, Eigentumsverhältnisse zu markieren und eine Trennung zwischen dem öffentlichen und privaten Bereich zu schaffen.

  4. Ästhetische Funktion: Mit Blick auf Ästhetik erfüllt die Gebäudehülle ebenfalls eine wichtige Funktion. Sie kann mit Elementen wie Rollläden oder Fensterläden den Wohnkomfort erhöhen und anhand der Anzahl und Ausgestaltung von Fassade, Fenstern und Türen Hinweise auf die Nutzung des Gebäudes, beispielsweise als Wohnhaus, Büro, Kirche oder Krankenhaus liefern.

Die energetischen Funktionen der Gebäudehülle stellen einen der wichtigsten Aspekte dar – denn vor dem Hintergrund des Klimawandels, knapper Ressourcen und politischer Anspannungen sind das Einsparen von Energie und energieeffizientes Bauen von großer Bedeutung. 

Energetische Qualität der Gebäudehülle

Die energetische Qualität der Gebäudehülle wird unter anderem danach beurteilt, wie viel Wärme innerhalb eines Gebäudes durch Ströme zwischen innen und außen verloren geht. Eine wichtige Kennzahl ist hier der Transmissionswärmeverlust (Ht), der im Energieausweis eines Gebäudes nachzulesen ist. Die jeweilige Angabe in Watt pro Quadratmeter und Kelvin (W/m2K) gibt Aufschluss darüber, wie viel Energie in Abhängigkeit vom Temperaturunterschied zwischen drinnen und draußen verloren geht. Beträgt die Raumtemperatur beispielsweise 20 Grad Celsius und die Außentemperatur 10 Grad Celsius, liegt der Temperaturunterschied zwischen Innen- und Außenwand bei 10 Grad Celsius. In diesem Fall gehen je Quadratmeter 10 Watt Energie verloren.

Ein hoher Transmissionswärmeverlust entsteht, wenn die Gebäudehülle nicht ausreichend gedämmt und luftdicht ist, sodass zum Beispiel Wärmebrücken entstehen. Bei einer Wärmebrücke handelt es sich um einen Bereich an bestimmten Bauteilen des Gebäudes, in dem Wärme schneller nach außen dringt als an benachbarten Bauteilen. Diese Komponente (z. B. ein Fenster oder eine Ecke zwischen zwei Wänden) kühlt dadurch schneller ab und zieht ab einer bestimmten Temperatur Kondenswasser an. Wärmebrücken erhöhen nicht nur den Verbrauch von Heizwärme und Energie, sondern stellen auch ein Risiko für die Entstehung von Schimmel dar. 

Anforderungen an die Gebäudehülle

Damit möglichst wenig Energie verloren geht und Wärmebrücken nicht entstehen, müssen bei der Planung eines neuen Gebäudes einige Anforderungen berücksichtigt werden:

  • Luftdichtheit

Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) legt fest, dass neue Gebäude heutzutage nahezu vollständig luftdicht sein müssen, damit möglichst wenig Energie verloren geht. Luftdichtheit bedeutet, dass zwischen der Außenluft und der Raumluft praktisch kein Austausch stattfindet. Außenwände, Fenster und Türen müssen entsprechend luftdicht konstruiert werden. Zur Erhaltung der Luftqualität müssen Bewohner selbstständig lüften oder eine automatische Lüftungsanlage nutzen.

Während der Konstruktion eines Hauses kann die Luftdichtheit mittels des Blower-Door-Tests gemessen werden. Dazu wird in einem Fenster oder einer Tür vor einer Nylonplane ein Ventilator installiert, der im Inneren des Gebäudes verschiedene Differenzdrücke erzeugt und den Luft-Volumenstrom misst. 

  • Wärmeschutz

Ein adäquater Wärmeschutz im Gebäude sorgt ebenfalls dafür, dass über die Gebäudehülle kaum Energie verloren geht und bei heißen Außentemperaturen im Inneren keine Überhitzung droht. Wärmeschutz umfasst dabei vor allem die Dämmung des Gebäudes mit geeigneten Dämmstoffen. Das GEG schreibt Werte vor, die mit Blick auf die Dämmstoffe eingehalten werden müssen: Fenster sollten in der Regel mit einem doppelten Glas inklusive Wärmeschutz ausgestattet sein. Während bei der Bodenplatte nach unten eine Dämmung von 10 bis 14 Zentimetern ausreicht, sollten oberste Geschossdecken und Außenwände mit Dämmstoffen zwischen 14 und 18 Zentimetern und Flachdächer zwischen 16 und 20 Zentimetern gedämmt werden. 

Neben dem Blower-Door-Test für die Luftdichtheit können qualifizierte Gewerke auch mittels Wärmebildkamera undichte Komponenten, Temperaturunterschiede und Wärmebrücken identifizieren und beheben.

BAFA-Förderung für Gebäudehülle

Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) bietet eine Förderung von Einzelmaßnahmen an der Gebäudehülle an. Gegenstand der Förderung sind unter anderem:

  • Dämmung der Gebäudehülle (z. B. von Bodenplatten, Geschossdecken, Außenwänden oder Dach)
  • Einbau, Erneuerung oder Austausch von Türen, Fenstern oder Außentoren
  • Einbau oder Ersatz von Konstruktionen zum Sonnenschutz mit verbesserter Tageslichtversorgung für den Wärmeschutz im Sommer

Förderfähig sind die oben genannten Maßnahmen mit einem Fördersatz von 15 %, sofern ihre Kosten mindestens 2.000 Euro brutto betragen. Mehr Informationen zur BAFA-Förderung für die Gebäudehülle finden sich auf den Seiten des BAFA.

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