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Emissionshandel

Der Emissionshandel gilt als wichtiges Instrument zum Erreichen der Klimaziele in Deutschland und Europa. Der Handel mit Emissionszertifikaten soll Treibhausgasemissionen einen Preis geben und so Anreize schaffen, Emissionen zu verringern.

Wie funktioniert der Emissionshandel in der EU und Deutschland, welche Auswirkungen hat er und kann der Handel dazu beitragen, langfristige Klimaneutralität zu erreichen und so eine lebenswerte Umwelt zu erhalten? Antworten auf diese und weitere Fragen liefern wir in unserem Glossarbeitrag zum Emissionshandel. Doch was ist der Emissionshandel eigentlich genau und worum geht es?

Was ist der Emissionshandel?

Der Handel funktioniert nach dem Prinzip Obergrenze und Handel (Cap & Trade)

Emissionshandel bezeichnet vereinfacht gesagt den durch die Politik ins Leben gerufenen Handel mit Emissionszertifikaten. Dieser funktioniert nach dem sogenannten Cap & Trade-Prinzip: Cap bedeutet Obergrenze und Trade Handel. Die Politik legt Obergrenzen für Treibhausgasemissionen fest, die in einem bestimmten Zeitraum ausgestoßen werden dürfen. Je nach Regelung sind dann die Vertreiber von klimaschädlichen Brennstoffen oder die ausstoßenden Unternehmen dazu verpflichtet, für die von ihnen verursachten Emissionen Zertifikate zu erwerben.

Da aufgrund der Obergrenze nur eine limitierte Anzahl von Zertifikaten zur Verfügung steht, entsteht ein Markt, auf dem überschüssige Emissionsrechte weiterverkauft und gehandelt werden können. Der Ausstoß von CO2 und anderen Treibhausgasen erhält so einen Preis – dieser soll Unternehmen und Privatpersonen dazu motivieren, ihren ökologischen Fußabdruck zu verkleinern und vermehrt auf alternative Ressourcen wie Sonnenenergie zu setzen.

Deutschland ist Teil von zwei Emissionshandelssystemen: dem Europäischen Emissionshandelssystem und einem nationalen Emissionshandelssystem. 

 

Wie funktioniert der Europäische Emissionshandel?

In jeder Handelsperiode wird ein linearer Kürzungsfaktor auf die Zertifikate angewendet

Das Europäische Emissionshandelssystem (auch European Union Emissions Trading System, kurz EU-ETS) wurde 2005 von der EU als zentrales Werkzeug zur Abschwächung des Treibhauseffekts initiiert. Neben den EU-Staaten nehmen auch Island, Norwegen und Liechtenstein am Handelssystem teil. Das Vereinigte Königreich war bis Ende 2020 ebenfalls im EU-ETS, betreibt nun jedoch nur noch einen nationalen Emissionshandel.

Der Europäische Emissionshandel betrifft die Energiewirtschaft, energieintensive Industrie und seit 2012 auch den innereuropäischen Luftverkehr. Innerhalb dieser Sektoren sind Kraftwerke, Industrieanlagen und Unternehmen der Luftfahrt dazu verpflichtet, Emissionszertifikate vorzuweisen.

Die Berechtigungen werden von den Mitgliedstaaten an die Unternehmen ausgegeben. Dies geschieht zum größten Teil über Auktionen, teils aber auch durch kostenlose Zuteilungen. Der Handel erfolgt innerhalb festgelegter Handelsperioden. Von 2021 bis 2030 findet die vierte Handelsperiode statt. Für jede Handelsperiode wird ein linearer Kürzungsfaktor festgelegt, der pro Jahr die Obergrenze herabsetzt. In der vierten Handelsperiode beträgt der Kürzungsfaktor 2,2 %.

Der Europäische Emissionshandel umfasst europaweit 11.000 Anlagen der Energiewirtschaft und Industrie sowie einige hundert Luftfahrtunternehmen. 1.187 Anlagen befinden sich in Deutschland.

Wie funktioniert der nationale Emissionshandel in Deutschland?

Im Jahre 2021 ist in Deutschland das nationale Emissionshandelssystem (nEHS) gestartet. Umgesetzt wird dieses von der Deutschen Emissionshandelsstelle im Umweltbundesamt. Im Unterschied zum EU-ETS geht es im nationalen Handelssystem um Emissionsrechte für die Vertreiber von klimaschädlichen Heiz- und Kraftstoffen wie Erdgas, Flüssiggas, Heizöl, Benzin und Diesel. Ab 2023 soll der Emissionshandel auch Kohle umfassen.

Der nationale Emissionshandel setzt dazu bei den Unternehmen an, die diese Brennstoffe in den Verkehr bringen, beispielsweise Unternehmen der Mineralölwirtschaft oder Gaslieferanten. Für jede Tonne CO2, die beim Verbrennen der Stoffe ausgestoßen werden kann, müssen die Inverkehrbringer ein Emissionszertifikat vorweisen und abgeben. 

Panorama eines Kohlekraftwerks an einem Fluss

Die Berechtigungen zum Ausstoß von Treibhausgasen werden innerhalb der ersten fünf Jahre zu Festpreisen verkauft. Im Jahre 2021 lag der Preis pro Zertifikat bei 25 Euro und soll jährlich um je fünf beziehungsweise zehn Euro bis auf 55 Euro im Jahr 2025 steigen. Anschließend sollen die Zertifikate in Auktionen versteigert werden, sodass der Markt selbst den Preis reguliert.

Eine beabsichtigte Folge des nationalen Emissionshandelssystem ist, dass die Preise für die Emissionsrechte an Verbraucher und Unternehmen weitergegeben werden. So muss zum Beispiel eine Erdölraffinerie seit 2021 Zertifikate für den Verkauf von Benzin und Diesel an Tankstellen bezahlen. Diese Kostensteigerung gibt die Raffinerie an die Tankstellenbetreiber weiter, die wiederum höhere Benzinpreise an ihren Zapfsäulen ansetzen, sodass letztendlich die normalen Verbraucher und Unternehmen die Kosten für die Emissionszertifikate tragen.

Davon verspricht sich die Deutsche Emissionshandelsstelle einen Anreiz für ressourcenschonendes und klimafreundliches Verhalten – beispielsweise durch sparsameres Heizen, einen Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel und die vermehrte Nutzung von erneuerbaren Energien.

Vor- und Nachteile des Emissionshandels

Die Entwicklung der Treibhausgasemissionen in Europa zeigt, dass der Europäische Emissionshandel in den letzten Jahren dazu beigetragen hat, Emissionen zu verringern. Insbesondere in der dritten Handelsperiode von 2013 bis 2020 gingen die Gesamtemissionen in der EU um etwa 29 % zurück – in Deutschland um circa 33 %. Seit Einführung des Europäischen Emissionshandels 2005 verzeichnete Europa einen Rückgang des Treibhausgasausstoßes um 43 %, während Deutschland mit 38 % etwas darunter liegt.

Infografik für den Emissionshandel

Vor der dritten Handelsperiode gab es jedoch auch Schwierigkeiten, die Ziele des EU-ETS wie geplant umzusetzen: Die Obergrenzen wurden teils zu hoch angesetzt und aufgrund von Krisen und technologischem Fortschritt gingen manche Emissionen ohnehin zurück. Die Folge: Eine große Zahl überschüssiger Emissionsrechte sammelte sich an, sodass die Preise für die Zertifikate fielen. Erst eine Reform im Jahre 2017 ließ die Preise wieder steigen, die Mitte 2021 bei circa 55 Euro pro Zertifikat lagen.

Kritiker raten dazu, dass die Obergrenze immer unter dem Vorjahr liegen sollte

Kritiker des EU-ETS beklagen, dass die Caps zur Regulierung der Emissionen kontinuierlich zu hoch angesetzt sind. Anstatt über der jährlichen Menge Treibhausgasemissionen zu liegen, sollte die Obergrenze immer unter dem Vorjahresausstoß liegen. So würde ein Mangel an Zertifikaten am Markt entstehen und ein wirklicher Anreiz gegeben, Emissionen im Vergleich zu den Vorjahren zu verringern.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung e. V. hat zudem ermittelt, dass eine Erhöhung des jährlichen Kürzungsfaktors von derzeit 2,2 % nötig ist, um die Klimaziele der EU kosteneffizient zu erreichen und die Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu beschränken. Ansonsten wäre nach 2030 eine drastische Anhebung des Kürzungsfaktors vonnöten, der die EU in der Umsetzung vor große wirtschaftliche Herausforderungen stellen würde.

Rückblick auf den nationalen Emissionshandel

Mit Blick auf den seit 2021 wirksamen nationalen Emissionshandel ist es zu früh, eine Aussage über seine Effektivität zu treffen. Dass die angestiegenen Preise für Heizöl, Benzin und andere Brennstoffe die Verbraucher und Unternehmen am Ende der Lieferkette treffen, wurde mitunter kritisch gesehen. Das nationale Emissionshandelssystem stellt dadurch jedoch eine passende Ergänzung zum Europäischen Handelssystem dar und zieht so auch die Abnehmer der klimaschädlichen Brennstoffe in die Verantwortung, die für eine hohe Nachfrage derselben sorgen. 

Die Entwicklung des Emissionshandels zeigt, dass die Bepreisung von Treibhausgasemissionen ein sinnvolles und effektives Instrument der Klimapolitik ist, um Emissionen zu reduzieren. Damit auch der Klimaschutz nachhaltig gelingt, müssten die Stellschrauben des Handels in den kommenden Jahren jedoch so angepasst und verschärft werden, dass der Ausstoß von Kohlendioxid und anderen Treibhausgasen noch schneller zurückgeht.

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