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06.02.2018 - EWE AG

Projekt enera: EWE und EPEX SPOT schaffen lokale Marktplattform zur Vermeidung von Netzengpässen

Design entwickelt zusammen mit den VNB Avacon Netz, EWE NETZ und dem ÜNB TenneT Deutschland

Essen / Oldenburg / Paris, 6. Februar 2018. Der Energiekonzern EWE AG und die europäische Strombörse EPEX SPOT haben heute in Essen im Rahmen des enera Projekts einen Kooperationsvertrag unterzeichnet. Darin vereinbaren beide Unternehmen, die lokale Dimension des europäischen Strommarktes aufzuzeigen, indem sie gemeinsam mit den Netzbetreibern Avacon Netz, EWE NETZ und TenneT eine Marktplattform zum Handel regionaler Flexibilität einführen. Mit dieser Marktplattform wollen die Projektpartner das weit verbreitete Problem der Netzengpässe effizient angehen. Die Marktplattform wird Netzbetreibern und Flexibilitätsanbietern des Projektkonsortiums zur Verfügung stehen. Auf die Umsetzung im Jahr 2018 folgt eine zweijährige Demonstrationsphase 2019/2020 als Proof of Concept. Ziel der Kooperation ist es, skalierbare Lösungen in einer Modellregion zu entwickeln, in diesem Fall im windreichen Nordwesten Deutschlands, die dann in wesentlich größerem Umfang realisiert werden können.

Eine lokale Marktplattform zur Behebung von Netzengpässen
Der Ausbau fluktuierender Stromerzeugung wird das Energieversorgungssystem erheblich verändern. Netzengpässe werden in den kommenden Jahren voraussichtlich auf allen Spannungsebenen weiter zunehmen. Gleichzeitig ermöglicht die Digitalisierung des Energiesektors den vereinfachten Zugang zu dezentraler Flexibilität von Verbrauchern, Erzeugern und Speichersystemen. Diese Flexibilitätsquellen den Netzbetreibern koordiniert zur Verfügung zu stellen ist der Schlüssel zur Bewältigung lokaler Engpässe - und genau hier setzt das enera Projekt an. „Ein transparenter Marktmechanismus ermöglicht eine effiziente Allokation der lokalen Flexibilitätsquellen auf der Grundlage von Preissignalen. Strom aus flexiblen Quellen wird dorthin fließen, wo er am dringendsten benötigt wird, zu der Zeit in der der Bedarf am größten ist, um die Netzüberlastung zu verringern. Dies ist ein wichtiger und konkreter Meilenstein für die Integration erneuerbarer Energiequellen und die Einbindung von Verbrauchern und Erzeugern inklusive der Endkundenebene", erklärte Jean-François Conil-Lacoste, CEO von EPEX SPOT. „Langfristig bilden solche lokalen Preissignale einen tragfähigen Rahmen für die Entwicklung zusätzlicher Flexibilitätsquellen", fügte er hinzu. „Als Konsortialführer des enera-Projekts freuen wir uns über diese sehr konkrete Initiative, die einen wichtigen Schritt zur Realisierung eines intelligenten Marktmechanismus darstellt, der die dezentrale Flexibilität im Netz effizient koordiniert. Mit der Demonstration des Mechanismus in einem vollständig digitalisierten Energiesystem mit 100 % erneuerbaren Energien ebnen wir den Weg für den Energiemarkt der Zukunft", sagte Stefan Dohler, Vorstandsvorsitzender der EWE AG.

Lokale Orderbücher als Bindeglied zwischen Flexibilität und Netzbetreiber
EPEX SPOT und EWE entwickeln gemeinsam mit den enera Projektpartnern einen klaren und transparenten Marktmechanismus für Flexibilitätsanbieter, die sich am marktbasierten Engpassmanagement beteiligen wollen. Durch die Einführung lokaler Orderbücher werden Flexibilitätsangebote effizient aggregiert, die von Übertragungs- und Verteilnetzbetreibern zur Vermeidung von Engpässen genutzt werden können. Der teilnehmende Übertragungsnetzbetreiber TenneT verspricht sich von dem Projekt Antworten darauf, ob neue marktbasierte Ansätze des Engpassmanagements für das aktuelle Marktdesign nutzbar sind und ob die entworfene Lösung als Koordinierungsmechanismus zwischen ÜNBs und VNBs fungieren kann. Als Spezialist für den Betrieb von Energiemärkten wird EPEX SPOT eine Lösung anbieten, um die wachsenden Herausforderungen des Stromnetzes zu bewältigen.

EPEX SPOT wird als neutraler Intermediär zwischen der Flexibilitätsnachfrage von Netzbetreibern und lokalen Anbietern agieren, die Preisbildung überwachen und ein hohes Maß an Transparenz für diesen neuen Markt gewährleisten. Alle notwendigen Marktprozesse werden im Projekt auf Seiten der Flexibilitätsanbietern und Netzbetreiber etabliert. Dies ermöglicht eine Demonstration unter realen Bedingungen. Mit den Erfahrungen aus der Demonstration soll der Grundstein für eine wesentlich breitere Umsetzung des Konzepts gelegt werden.

enera ist Teil des Förderprogramms „Schaufenster Intelligente Energie – Digitale Agenda für die Energiewende“ (SINTEG) des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. Ziel ist es, skalierbare Musterlösungen für eine sichere, wirtschaftliche und umweltverträgliche Energieversorgung bei hohen Anteilen fluktuierender Stromerzeugung aus Wind- und Sonnenenergie zu entwickeln und zu demonstrieren.