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Eckpunkte für den Energiemarkt der Zukunft

Die Energiewende bedeutet einen grundlegenden Umbau der Energieversorgung in Deutschland. Damit sie gelingt, braucht sie die richtigen Rahmenbedingungen. EWE begleitet die Debatte darüber konstruktiv und bringt eigene Vorschläge aus der Praxis ein.

Die Energiewende will nicht nur den Herausforderungen des Klimawandels begegnen, sondern auch neue wirtschaftliche Perspektiven für Deutschland eröffnen. Oft werden jedoch hohe Kosten, Verzögerungen und die ungenügende Verzahnung der verschiedenen Bereiche beklagt. Reformen des Energiemarktes, der Fördermechanismen und der Regulierung der Stromnetze sind nötig, um die Energiewende nicht auszubremsen.

Als Vorreiter bei erneuerbaren Energien, intelligenten Netzen und Energieeffizienz möchte EWE einen konstruktiven Beitrag zur Debatte leisten, setzt sich mit den Plänen der Politik auseinander und bringt eigene Vorschläge ein. Im Zentrum steht der Gedanke, durch maximale Flexibilität und intelligente Steuerung die Infrastruktur so gut wie möglich auszulasten, um unnötige Kosten zu vermeiden und alle Akteure fair in die Chancen und Herausforderungen der Energiewende einzubinden.

Unsere zentralen Anliegen

Erneuerbare Energien in den Markt integrieren, ohne sie auszubremsen

Für eine erfolgreiche Energiewende müssen die Erneuerbaren Energien aus der festen Förderung herausgeführt und in den Markt integriert werden, um sie stärker auf die Nachfrage auszurichten. Direktvermarktung und Ausschreibungen sind dabei grundsätzlich sinnvolle Modelle. Es ist aber wichtig, diesen Weg so zu gehen, dass die Energiewende weder verlangsamt noch verteuert wird.

Daher ist der Plan der Bundesregierung, den Ausbau der Windenergie an Land zu drosseln, ein Schritt in die falsche Richtung. Betreiber und Investoren haben auf die im EEG 2014 festgelegten Ausbauziele vertraut und sehen nun ihr Vertrauen verletzt – so werden Investitionen zurückgehen. Der Schlingerkurs ist umso schädlicher, da Onshore-Windkraft die günstigste  regenerative Erzeugungsart ist. Ausgerechnet sie einzubremsen verlangsamt die Energiewende nicht nur, es verteuert sie auch.

Hier droht ein umso stärkerer Negativeffekt, als dass die Regierung ausgerechnet in den Gebieten mit dem meisten Wind die Windkraft noch mehr drosseln will, um Zeit für den Netzausbau zu gewinnen – statt die Netze zügiger ausbauen. So werden Windparks an schlechteren Standorten errichtet – und bleiben länger abhängig von Förderung.

Für weitere Unsicherheit sorgt die geplante Aussetzung der Ökostrom-Förderung, wenn 6 Stunden lang negative Börsenpreise drohen: Da nur der Vorabhandel für den Folgetag betrachtet wird, nicht der kurzfristige Handel innerhalb desselben Tages, ist das Risiko hoch, dass zu früh gedrosselt wird – aufgrund einer Erwartung, die gar nicht eingetreten wäre.

Eigenverbrauch ist ein wichtiger Weg, insbesondere Photovoltaik aus der EEG-Förderung herauszuführen. Batteriespeicher in Privathäusern und kleinen Gewerbebetrieben ermöglichen erst die weitgehende Selbstversorgung mit Sonnenstrom. Doch während der Eigenverbrauch für kleine Solaranlagen von der EEG-Umlage ausgenommen ist, will Berlin den Strom, der in "Hausspeichern" gelagert wird, mit der Umlage belasten. Das stellt Speicher schlechter – eine Bremse für den Boom der Selbstversorgung.

Eine Förderung, auf die man indes sofort verzichten könnte, sind die vermiedenen Netznutzungsentgelte: Ökostrom-Anlagen eine Prämie allein dafür zu zahlen, dass sie näher am Verbraucher einspeisen als Großkraftwerke und so die Netze entlasten, passt nicht in Zeiten, in denen Wind, Sonne und Co. fast ein Drittel der Stromversorgung stellen, ihr Strom über immer weitere Strecken transportiert wird und dadurch ein erheblicher Aus- und Umbau der Netze nötig ist. Die Prämie sollte daher sofort und nicht erst 2021 abgeschafft werden, um die EEG-Umlage zu entlasten. Eine Ausnahme sind Anlagen  die sich flexibel steuern lassen – zum Beispiel Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen mit Bio- oder Erdgas. Da sie das Netz aktiv entlasten, sollte hier der Anreiz über 2020 hinaus erhalten bleiben.

Den Strommarkt fit machen für dezentrale, flexible Erzeugung

In einer Zeit, in der die Erneuerbaren Energien schrittweise zum Rückgrat der Stromversorgung werden, brauchen wir einen gemeinsamen Strommarkt für alle Energieträger, an dem die tatsächlichen Strommengen gehandelt werden. Flexibilität muss sich – gerade angesichts schwankender Erträge aus Wind- und Sonnenenergie – dabei lohnen. Dies lässt sich durch freie Preisbildung hinreichend bewerkstelligen. Die Grundsätze des von der Bundesregierung erarbeiteten Strommarktgesetzes sehen wir daher positiv.

So ist es auch eine gute Entscheidung, keinen parallelen Kapazitätsmarkt zum Handel mit Leistung aufzubauen, sondern lediglich für eine Übergangszeit Kapazitätsreserve als „Sicherheitspuffer“ einzurichten. Da sie gerade in den nächsten Jahren, in denen der Aus- und Umbau der Netze noch auf dem Weg ist, häufiger nötig sein könnte, darf der Preis für den Abruf der Reserve nicht zu hoch liegen.

Wird andersherum aufgrund von Engpässen im Netz in den Markt eingegriffen, in dem Anlagen heruntergefahren werden, muss man nicht nur Erneuerbaren Energien, sondern auch flexiblen konventionellen Kraftwerken – zum Beispiel Gas- und Dampfturbinenkraftwerken –angemessene Entschädigungen zahlen, um den Markt nicht zu verzerren.

Es ist richtig und wichtig, die bilanzkreisverantwortlichen Stromhändler in die Pflicht zu nehmen, stets die passenden Mengen an Strom für ihre Kunden zu beschaffen. Man sollte sie aber nur dort zur Verantwortung ziehen, wo sie auch wirklich verantwortlich sind. Entstehen Defizite durch Aggregatoren – also Anbietern ohne Bilanzkreis – müssen diese eine angemessene Entschädigung zahlen. Auch ist es unpassend, die Abwicklung der EEG-Umlage vom Netzbetreiber auf den Bilanzkreisverantwortlichen zu übertragen. Dieser ist bei der Abführung der EEG-Umlage selbst nicht beteiligt und müsste so für etwas gerade stehen, das er nicht in der Hand hat.

Intelligenter Technik die richtigen Rahmenbedingungen geben

Ein zentraler Hebel für eine effizientere Energiewende liegt in der intelligenten Steuerung der Netze. Herrscht Transparenz über Erzeugung und Verbrauch und agieren Erzeuger, Netze und Verbraucher so flexibel wie möglich, lässt sich die bestehende Infrastruktur optimal ausnutzen – es ist weniger teurer und langwieriger Netzausbau nötig.

Daher ist es ein wichtiger Schritt, dass die Bundesregierung den Ansatz von EWE aufgegriffen hat und vorsieht, dass der Netzbetreiber bei Engpässen bis zu 3% der Erzeugung aus Wind- und Solaranlagen passgenau je Anlage herunterfahren kann. Studien zeigen, dass sich so selbst ohne Netzausbau doppelt so viele Ökostrom-Anlagen anschließen lassen. Auch dass Investitionen in intelligente Netze schneller anerkannt werden sollen, ist positiv.

Der Weg in eine intelligentere – und damit auch anspruchsvollere – Infrastruktur darf aber nicht der Weg in mehr Bürokratie sein. Von der Regierung geplante zusätzliche Prozesse in der Bilanzierung (Aufbereitung im Smart Meter Gateway, Vorverdichtung durch Übertragungsnetzbetreiber) verursachen mehr Aufwand und Verzögerungen ohne echten Nutzen.

Auch die Daten, die nötig sind, um intelligente Systeme zu steuern, müssen unbürokratisch und schnell fließen. Die Regierung sieht vor, dass Netzbetreiber die Einspeise- und Verbrauchsdaten von den Messtellenbetreibern anfordern können, allerdings nur für den Vortag und ohne sicherzustellen, dass dadurch keine zusätzlichen Kosten entstehen.

Nicht zuletzt macht es erst dann Sinn, Daten zu erheben, wenn man weiß, wie man damit arbeiten will. So brauchen wir intelligente Zähler für größere Verbraucher und für möglichst viele dezentrale Anlagen, die ins Netz einspeisen. Doch sollte die Pflicht zu deren Einbau erst beginnen, wenn sauber geklärt ist, in welchem Format die so erhobenen Daten vorliegen sollen und wie sie in die Abrechnungs- und Marktprozesse eingebunden werden. Das bedeutet, dass ein Start 2017 womöglich nicht realistisch ist.

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