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Torsten Ritzmann

enera

In Aurich, Wittmund und Friesland übertrifft die Leistung der Stromgewinnung aus erneuerbaren Energien den Verbrauch zeitweise um das doppelte. Das klingt nach einer Erfolgsgeschichte, führt in der Praxis jedoch manchmal zu Überfluss in der Leitung, während an wolkenverhangenen, windstillen Tagen Strom aus fossilen Anlagen zugekauft werden muss. Wie dieses Energiesystem intelligenter gesteuert werden kann, will das Projekt enera herausfinden.

Unter der Konsortialführung der EWE AG sind über 30 Partner angetreten und wollen zeigen, dass die Energiewende in der Musterregion Aurich, Wittmund und Friesland funktioniert. Und dass ein modernes, komfortables Leben mit immer weniger fossiler Energie möglich ist. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen auf ganz Deutschland übertragen werden. Dieser Ansatz hat das Bundeswirtschaftsministerium überzeugt. Das Vorhaben wird mit 50 Millionen Euro aus dem Fördertopf des Schaufensters intelligente Energie (SINTEG) unterstützt. Vier weitere Schaufensterregionen in Deutschland erhalten eine Förderung. Das Projekt enera ist am 1. Januar 2017 gestartet und läuft vier Jahre lang.

enera blickt auf drei Schlüsselthemen für eine gelungene Einbindung von erneuerbaren Energien zu einem funktionierenden Gesamtsystem:

Netz, Märkte und Daten

Netz

Im Stromnetz findet der Ausgleich der Energiemengen statt. Stromverbrauch und -erzeugung müssen stets im Einklang stehen – und zwar fortwährend und sekundengenau. Das war schon anspruchsvoll, als es noch eine überschaubare Anzahl von großen, fossilen Kraftwerken gab, die konstant ihren Strom ins Netz geliefert haben. Inzwischen hat sich die Situation grundlegend geändert: Viele dezentrale Anlagen, zum Beispiel Windräder, Blockheizkraftwerke oder Solaranlagen, speisen ihre Energie größtenteils nach Wetterlage in das Netz ein. Ihnen gegenüber stehen die Stromverbraucher, die daran gewöhnt sind, ihre Energie auf Knopfdruck zur Verfügung zu haben. Um beide Systeme dennoch in Balance zu halten, setzen die Netze immer mehr auf automatische Steuerungen und präzise Sensorik, die kritische Zustände im Netz rechtzeitig erkennen und gegenhalten können. Zunehmend greifen die Netzbetreiber auch zu unkonventionellen Methoden. Zum Beispiel werden flexible Verbraucher wie Kühlhäuser je nach Lage an- oder abgeschaltet, um überschüssige Energie schnell aufzunehmen oder das Netz zu entlasten.

Wie die Energieflüsse im Gesamtsystem noch geschickter dirigiert werden können, will enera untersuchen.

Märkte

Die Vision der Energiewende ist, die Grenzen zwischen Stromverbrauchern und -erzeugern aufzuheben. Wer eine Solaranlage auf dem Dach betreibt, kann an besonders sonnigen Tagen die Nachbarn mitversorgen. Wer in windigen Zeiten spontan große Energiemengen abnehmen kann, etwa um ein Kühlhaus auf Vorrat abzukühlen, leistet durchs Energieverbrauchen einen wichtigen Dienst für das Gesamtsystem. Wer sein Elektroauto an die Ladesäule hängt, stellt einen Baustein eines großen Energiespeichers bereit.

All dies sind Möglichkeiten, die Flexibilität auf dem Strommarkt zu erhöhen.

Daten

Um ein Energiesystem steuern zu können, braucht es in erster Linie Wissen. Wissen darüber, was gerade los ist, und Wissen darüber, was als nächstes passieren wird. Präzise Zustandsbeschreibungen und zuverlässige Prognosen basieren auf Daten. In der Energiewelt gibt es davon schon eine Menge: Verbräuche, Wetterberichte, Kalender, Netzmesswerte. Intelligente Messeinrichtungen beim Kunden und neue Sensoriken an wichtigen Schnittstellen im Stromnetz können künftig noch viel mehr Daten liefern. Wie daraus tatsächlich Wissen und am Ende Fortschritt für die Energiewende und die Kunden entstehen kann, will enera erkunden und ausprobieren.

Das Ergebnis sind neue, datenbasierte Geschäftsmodelle, die teilweise in Eigenregie, teilweise unter Mitwirkung von Start-ups entwickelt werden. enera bietet den jungen Unternehmen Know-how und Infrastruktur, um gemeinsam Lösungen für die Energiewende zu schaffen.