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05.02.2019

Premiere: Börsengestützter Flexibilitätsmarkt für Netzengpassmanagement gestartet

Erster Trade auf der Flexibilitätsplattform „enera-Markt“ erfolgreich durchgeführt

Stellten Flexibilitätsplattform „enera-Markt“ vor: (v.l.n.r.)  EWE NETZ-Geschäftsführer Torsten Maus, Director Product Development EPEX SPOT Dr. Philippe Vassilopoulos, EWE-Technikvorstand Dr. Urban Keussen, Vorsitzender des Vorstands und Chief Executive Officer der EPEX SPOT Ralph Danielski, Geschäftsführer der Audi Industriegas GmbH Dr. Hermann Pengg, Senior Manager Customers & Markets TenneT Thorsten Dietz.Thorsten Ritzmann Stellten Flexibilitätsplattform „enera-Markt“ vor: (v.l.n.r.) EWE NETZ-Geschäftsführer Torsten Maus, Director Product Development EPEX SPOT Dr. Philippe Vassilopoulos, EWE-Technikvorstand Dr. Urban Keussen, Vorsitzender des Vorstands und Chief Executive Officer der EPEX SPOT Ralph Danielski, Geschäftsführer der Audi Industriegas GmbH Dr. Hermann Pengg, Senior Manager Customers & Markets TenneT Thorsten Dietz.

Premiere auf der e-World in Essen, der Leitmesse der Energiewirtschaft: Die Netzbetreiber Avacon Netz, EWE NETZ und TenneT sowie die europäische Strombörse EPEX SPOT bestätigten auf einer Pressekonferenz die erfolgreiche Durchführung eines Handels von lokaler Flexibilität über eine Börsenplattform, um eine Engpasssituation im Stromnetz zu vermeiden. Avacon Netz, EWE NETZ  und TenneT  haben gemeinsam mit dem enera-Konsortialführer EWE AG auf der Strombörse EPEX SPOT einen Marktplatz für kurzfristige Flexibilitätsdienstleistungen im Rahmen des SINTEG-Forschungsprogramms („Schaufenster intelligente Energie “) entwickelt.

Zum Hintergrund: Aufgrund des verbrauchsfernen Zubaus von Windkraftanlagen im Norden bezogen auf die Absatzschwerpunkte im Süden kommt es im Zuge der Energiewende vermehrt zu Engpasssituationen auf allen Spannungsebenen. Das verursacht hohe Kosten für netzstabilisierende Maßnahmen, wie das Einspeisemanagement und den Redispatch – so waren im Jahr  2017 etwa  5.518 GWh von Einspeisemanagement-Maßnahmen betroffen, die Kosten hierfür beliefen sich auf 610 Mio EUR. Dies gilt insbesondere für das Übertragungsnetz, tritt zunehmend aber auch im Verteilnetz auf. 

Vor diesem Hintergrund demonstrieren im Rahmen des Forschungsprojektes enera die Avacon Netz, EWE AG, EWE NETZ, EPEX SPOT und TenneT, dass ein freiwilliges marktwirtschaftliches Instrument prognostizierte  Engpasssituationen im Netz vermeiden kann. Dies soll durch die bessere Abstimmung von Erzeugung und Verbrauch unter Berücksichtigung lokaler Flexibilitätspotenziale erfolgen. Neben anderen Anbietern lokaler Flexibilitätsdienstleistung konnte der Automobilhersteller Audi gewonnen werden, der mit seiner Power-to-Gas Anlage (P2G) im niedersächsischen Werlte am enera-Flexibilitätsmarkt teilnimmt. Weitere Teilnehmer in der Startphase sind die Alpiq, BayWa r.e. renewable energy GmbH, EWE TRADING  GmbH,  Quadra Energy GmbH und die Statkraft Markets GmbH.

EWE-Technikvorstand Dr. Urban Keussen sieht marktgetriebene Lösungen zur Engpassbehebung als unverzichtbare Elemente einer effizienten und nachhaltigeren Integration von erneuerbaren Erzeugungsanlagen in unser Stromsystem. „Der von uns heute gestartete Flexibilitätsmarkt hat das Potenzial für den Roll-out in ganz Deutschland und das Potenzial, ein zentrales Problem auf dem Weg zur Energieversorgung mit  100 Prozent erneuerbaren Energien zu lösen.“ Ein attraktives und langfristig gesetzlich verankertes Anreizsystem für die Bereitstellung von Flexibilitäten sei als unabdingbarer Baustein der Energiewende erforderlich. „Hier sehen wir die Politik in der Pflicht, entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen “, so Keussen.

Mit der offiziellen Inbetriebnahme der lokalen Marktplattform startet nun der Demonstrationsbetrieb in der enera-Modellregion.  Dr. Philippe Vassilopoulos,  Director Product Development, EPEX SPOT, bestätigt: „Dies ist die erste konkrete Anwendung von lokalen Orderbüchern. Angebot und Nachfrage sind die Basis eines effizienten Preisbildungsmechanismus, und netzdienliche Flexibilität bekommt einen konkreten Wert. Ziel ist es ein konsensfähiges Konzept für einen Flexibilitätsmarkt zu entwickeln.“

EWE NETZ-Geschäftsführer Torsten Maus nannte den Vorteil des enera-Marktes für den Netzbetrieb:  „Den enera-Markt können wir im vorausschauenden Netzbetrieb nutzen, um Engpässe  effizienter als durch das heutige Einspeisemanagement zu beseitigen.“

„Gemeinsam mit der EWE NETZ und der Avacon Netz haben wir ein Marktmodell entwickelt, mit dem Flexibilitätspotenziale über alle Spannungsebenen hinweg genutzt werden können. Hierbei ist uns wichtig, die Möglichkeit der Übertragung solcher Konzepte auf nationale und internationale Märkte und Prozesse zu beachten“, erklärte Thorsten Dietz, Senior Manager Customers & Markets, TenneT. „Das Projekt enera steht im Einklang mit unserem Ansatz möglichst viele Konzepte zur Flexibilitätsnutzung im Rahmen von SINTEG zu erproben.“

Dr. Hermann Pengg, Geschäftsführer der Audi Industriegas GmbH erklärte auf der Pressekonferenz: „Der enera-Markt gibt uns die Möglichkeit, kurzfristig auf ein lokales Überschussangebot an Windenergie zu reagieren und dies zur zusätzlichen Produktion von klimaneutralem Gas einzusetzen.
 Die e-gas-Anlage von Audi ist 2013 in Betrieb gegangen. Sie nutzt Windstrom, um aus Wasser und Kohlenstoffdioxid  Wasserstoff und synthetisches Methan zu produzieren.“ 

Lokale Orderbücher als Bindeglied zwischen Flexibilität und Netzbetreiber
Avacon Netz, EPEX SPOT, EWE AG, EWE NETZ  und TenneT entwickeln gemeinsam mit den enera-Projektpartnern einen klaren und transparenten Marktmechanismus für Flexibilitätsanbieter, die sich am marktbasierten Engpassmanagement beteiligen wollen.

Durch die Einführung lokaler Orderbücher werden Flexibilitätsangebote auf Basis netztopologischer Informationen erfasst, die Übertragungs- und Verteilnetzbetreiber zur Vermeidung von Engpässen nutzen können.

Als Spezialist für den Betrieb von Energiemärkten bietet EPEX SPOT hier eine Lösung an, um als neutraler Vermittler zwischen Netzbetreibern und Flexibilitätsanbietern zu agieren.


Die teilnehmenden Netzbetreiber Avacon Netz,  EWE NETZ und TenneT versprechen sich von dem Projekt Antworten auf folgende Fragen: Kann einerseits ein solch marktbasierter Ansatz die Kosten für das Engpassmanagement reduzieren? Können ausreichend Anbieter für einen solchen Flexibilitätsmarkt gewonnen werden? Kann andererseits das entworfene Lösungsmodell als Koordinierungsmechanismus zwischen Übertragungsnetz- und Verteilnetzbetreibern dienen, um effizient auf Flexibilitäten zuzugreifen?

Mit den Erfahrungen aus der Demonstration des enera-Projektes sollen Konzepte für die zukünftige Nutzung von Flexibilität für das Engpassmanagement weiterentwickelt werden. enera ist Teil des Förderprogramms „Schaufenster Intelligente Energie – Digitale Agenda für die Energiewende“ (SINTEG) des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie.

Ziel ist es, bei hohen Anteilen fluktuierender Stromerzeugung aus Wind- und Sonnenenergie skalierbare Musterlösungen zu entwickeln und zu demonstrieren, im Sinne einer sicheren, wirtschaftlichen und umweltverträglichen Energieversorgung.

Mehr zum enera-Projekt unte
r www.energie-vernetzen.de