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26.08.2019

Erstes Halbjahr 2019 im Rahmen der Erwartungen

Der Energie- und Telekommunikationsdienstleister EWE hat das erste Halbjahr 2019 im Rahmen der eigenen Erwartungen abgeschlossen: Zum 30. Juni des laufenden Geschäftsjahres stieg das Operative EBIT, die wesentliche Kennzahl für die operative Geschäftstätigkeit, im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 4,6 Prozent auf 271,8 Millionen Euro (259,9 Millionen Euro) an.

Im ersten Halbjahr verrringerte sich das Periodenergebnis des Konzerns im Vergleich zum Vorjahr von 149,7 Millionen Euro auf 115,1 Millionen Euro. EWE-Finanzvorstand Wolfgang Mücher erläutert: „Das Periodenergebnis ist vor allem aufgrund von Stichtagsbewertungen der Sicherungsgeschäfte im Energiehandel gesunken. Die Bewertung solcher Derivate schwankt im Verhältnis zu den Marktpreisen und ist daher im Jahresverlauf entsprechend volatil, so dass sich daraus keine strukturellen Herausforderungen ableiten.“ Der Konzernumsatz stieg um 7,8 Prozent auf 2.949,2 Millionen Euro (2018: 2.735,1 Millionen Euro).

CO2-Einsparziel vorzeitig erreicht
Die spezifischen CO2-Emissionen der Stromproduktion im EWE-Konzern sanken auf 493 Gramm CO2 pro Kilowattstunde, was gegenüber dem Ausgangswert im Jahr 2005 eine Reduzierung um 40,4 Prozent bedeutet. Das 2014 definierte Ziel einer Reduktion um 40,0 Prozent bis 2020 wurde von EWE somit vorzeitig erreicht. „Der Ausbau der Stromgewinnung aus Windenergie an Land und die Abkehr von Steinkohle als Energiequelle wird die spezifischen und absoluten CO2-Emissionen im EWE-Konzern in den kommenden Jahren zudem weiter senken“, kündigt EWE-Vorstandsvorsitzender Stefan Dohler an.

Neue Konzernstrategie wird umgesetzt
Die im Sommer 2018 veröffentlichte Konzernstrategie weist EWE den Weg vom klassischen Energieversorger und Telekommunikationsunternehmen zum Lösungsanbieter, der die Bereiche Energie, Wärme, Telekommunikation, Daten und Mobilität für seine Kunden einfach und alltagstauglich bündelt. „Aktuell sind wir dabei, uns konzernweit nach Geschäftsfeldern zu organisieren, um unsere Aktivitäten effizienter über verschiedene Konzerngesellschaften hinweg steuern zu können“, erläutert Dohler. „Dies ist die Voraussetzung, um unseren Kunden in einer komplexer werdenden Welt vernetzte Produkte und Dienstleistungen sowie zeitgemäßen Service zu bieten.“ Ziel sei es, die Steuerung nach Geschäftsfeldern im Jahr 2020 konzernweit etabliert zu haben.

Suche nach strategischem Investor läuft
Bei der geplanten Weiterveräußerung von 26 Prozent Anteilen an der EWE AG ist das Unternehmen weiterhin im Zeitplan. „Wir haben die Gespräche mit den verschiedenen Interessenten weitgehend abgeschlossen und erwarten in den kommenden Wochen die verbindlichen Angebote“, erläutert Dohler. „Ich bin daher zuversichtlich, dass wir gemeinsam mit unseren Anteilseignern noch in diesem Jahr zu einer Entscheidung kommen können.“

Türkische Beteiligungen veräußert
Die Veräußerung der türkischen EWE-Gesellschaften an das aserbaidschanische Unternehmen SOCAR konnte im Verlauf des ersten Halbjahres abgeschlossen werden. EWE hatte im Zuge der strategischen Neuausrichtung den Markt für diesen Schritt sondiert und entschieden, sich auf die Chancen und Herausforderungen im Heimatmarkt zu fokussieren.

Mit dem erreichten Ergebnis zeigte sich Finanzvorstand Wolfgang Mücher zufrieden: „Zwar haben wir im jetzigen Halbjahresabschluss einen Aufwand von 39,9 Millionen Euro verbucht, doch entscheidend ist die Risiko-Reduzierung um insgesamt 220 Millionen Euro, die aus Garantien und Verpflichtungen für die EWE AG bestanden. Weithin werden Ressourcen frei, die für die Umsetzung der zahlreichen Aufgaben im Konzern gut eingesetzt werden können.“ Wolfgang Mücher erläutert auch die versprochene Gesamtrechnung: „Zieht man nüchtern Bilanz, dann haben wir nach zwölf Jahren rund 290 Millionen Euro weniger eingenommen, als seinerzeit für den Erwerb der Gesellschaften aufgewendet worden ist. Jedoch beträgt der rechnerische Gesamteffekt durch die Abwertung der Währung allein schon 330 Millionen Euro.“

Diese Summe sei in Form von Wertanpassungen zu weiten Teilen bereits in zurückliegenden Jahren in die Bilanz eingeflossen. Die türkischen Gesellschaften hätten sich während der Zeit im EWE-Konzern insgesamt gut entwickelt betont Wolfgang Mücher: „Wir haben kontinuierlich Kunden hinzugewonnen, eine leistungsfähige Infrastruktur aufgebaut und das Gasnetz mit in der Türkei erwirtschafteten Investitionsmitteln in angrenzende Gebiete rund um Bursa und Kayseri erweitert.“ Heute hätten dadurch deutlich mehr Menschen Zugang zu einem sicheren Erdgasanschluss und profitierten von einer stark verbesserten Luftqualität in den zuvor von Kohleheizungen dominierten Gebieten.

All dies dürfe man bei der rückblickenden Bewertung dieses Engagements ebenso wenig vergessen, wie die Tatsache, dass die Türkei im Jahr 2007 für internationale Investoren sehr attraktiv gewesen sei: „Die junge Bevölkerung, eine rasant wachsende Wirtschaft und die seinerzeit laufenden Verhandlungen über den EU-Beitritt geben einen Eindruck davon“, so Mücher. Mit dem Putschversuch im Sommer 2016 habe sich das politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Umfeld des Investments dann jedoch unerwartet verändert. „Die türkische Lira hat seitdem im Vergleich zu Euro und Dollar so stark an Wert verloren, dass unsere Beteiligungen in einem Maß beeinträchtigt wurden, die auch mit Absicherungsgeschäften nicht aufzufangen waren“, schildert Mücher. Der Verkauf sei daher der richtige Schritt gewesen und mit SOCAR für die türkischen Gesellschaften vor Ort der richtige Partner gefunden worden, um weiter erfolgreich zu wachsen.

„Nun haben wir einen guten Ausstieg in schwierigen Zeiten erzielt. Die Richtigkeit der Verkaufsentscheidung zeigt sich auch in der Bestätigung unseres stabilen Ratings durch Moodys“, fasst Wolfgang Mücher zusammen.

Ausblick
EWE erwartet für das laufende Geschäftsjahr unter Berücksichtigung der zu erwartenden speziellen Branchenentwicklungen, der politischen und regulatorischen  Rahmenbedingungen und des fortgesetzt intensiven Wettbewerbs im Energiemarkt unverändert ein im Vergleich zu 2018 um zehn bis 25 Prozent gestiegenes Operatives EBIT.