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EWE will Windretter werden

Flexibilitäten sollen verhindern, dass Windräder still stehen müssen. Das EWE-Großprojekt Enera zeigt, wie diese entstehen und vermarktet werden können. Ein Marktmodell mit Zukunft.

Epexspot

Wenn sich Windräder nicht drehen, obwohl der Wind kräftig weht, können Netzengpässe die Ursache sein. Diese lokal auftretenden Netzengpässe treiben die Kosten der Energiewende in die Höhe und sollten beseitigt werden – im Idealfall, bevor sie entstehen. Wenn Netzbetreiber zu diesem Zweck Flexibilität einsetzen, sprechen Experten von der gelben Ampelphase. „Am besten kann ein lokaler Engpass kurzfristig behoben werden, wenn der überschüssige Strom vor Ort verbraucht oder gespeichert wird“, erklärt Jan Schallenberg, EWE-Marktexperte.

Steuerbare Anlagen sind flexibel in Menge und Zeit
„Wir wollen mit Hilfe von Wetterdaten, Informationen zur Netztopologie und weiteren Daten der Energiemarktteilnehmer zukünftige Einspeisung und Verbrauch so prognostizieren, dass EWE NETZ potenzielle Engpässe frühzeitig erkennen kann. Mit dieser Kompetenz können wir Netzbetreiber über einen regionalen Marktplatz mit Flexibilitätsanbietern zusammenbringen, die mit ihren Verbrauchern und Speichern den Engpass verhindern, bevor er entsteht“, erklärt Philip Goldkamp, Projektmanager enera.

Flexibel zu sein, heißt im Strommarkt das Gleiche wie im echten Leben: Etwas zu tun, dass so nicht geplant war. Auf dem enera Flexmarkt heißt das konkret, den Bezug oder die Produktion von Strom kurzfristig an den Bedürfnissen eines Netzbetreibers auszurichten. Welche Technologie zu welchem Preis bereit ist, sich flexibel zu verhalten, wird dem Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage überlassen. Experten sprechen bei diesem Phänomen auch von der unsichtbaren Hand des Flexmarktes.

Beispiele für Flexibilitäten gibt es viele: Gewerbe- und Industriebetriebe, die ihre Produktionszeiten und -intensitäten variabel gestalten, Biogasanlagen, die ihre Produktion zeitweise drosseln, Schwimmbäder, die ihre Heizungen zeitlich variabel betreiben, Abwasserkanäle, deren Pumpen zeitlich variabel anlaufen, oder auch die Power-to-Gas-Anlage in Werlte, die die Wasserstoffproduktion bedarfsgerecht starten kann und so die Sektorenkopplung zwischen Strom und Gas demonstriert.
Auch im Privathaushalt gibt es viel Flexibilität: Kunden können ihre Verbraucher dann einschalten, wenn Strom günstig ist oder perspektivisch die Zeiträume zum Laden der Elektrofahrzeuge flexibel wählen.

Speicher spielen aktuell eine besondere Rolle. Sie bieten ein hohes Maß an Flexibilität und sind heute technologisch markt- und leistungsfähig.

Virtueller Marktplatz für Flexibilitäten
Enera arbeitet derzeit daran, in Zusammenarbeit mit der Strombörse EPEX SPOT eine regionale Marktplattform aufzubauen, auf der Flexibilitäten gehandelt werden. Der Markt soll im ersten Quartal 2019 im Rahmen eines großen Feldtests live gehen und im Laufe von zwei Jahren wertvolle Erfahrungen für die Marktakteure generieren. „Entscheidend wird die Anzahl an Anbietern auf den doch recht kleinen lokalen Märkten sein, um wirklich von einem funktionierenden Modell sprechen zu können“, so Schallenberg.