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EWE kritisiert Entwurf für Anreizregulierung


Oldenburg, 5. April 2007.
„Wer gute Netze mit hoher Versorgungszuverlässigkeit hat, muss belohnt werden“, sagt Heiko Harms, Vorstand für Netze und IT bei der EWE AG. Deshalb fordert er, dass die Netzqualität von Anfang an als Bestandteil der Anreizregulierung berücksichtigt wird. Der jetzt vorgelegte Referentenentwurf des Bundeswirtschaftsministeriums zu einer Anreizregulierungsverordnung sehe das leider nicht vor und sei daher abzulehnen.

Mit der Anreizregulierung soll die Effizienz der Netzbetreiber gefördert werden: Je effizienter ein Unternehmen seine Netze betreibt, umso höhere Gewinne kann es in einer Regulierungsperiode erwirtschaften. „Das ist der richtige Ansatz, aber die Effizienzsteigerung darf nicht zu Lasten der Versorgungsqualität gehen“, so der EWE-Vorstand. „Deshalb fordern wir, dass der Qualitätsfaktor bereits bei der Einführung der Anreizregulierung festgeschrieben wird, damit die Betreiber von Netzen mit hoher Qualität im Effizienzvergleich mit anderen Unternehmen nicht benachteiligt werden.“

Ein Großteil der Branche und zuletzt auch die Politik lehnen die sofortige Einführung der Qualitätsregulierung ab. Sie argumentieren, dass die Datenmenge dafür nicht ausreiche. „Aber das überzeugt uns nicht“, betont Harms. „Die Bundesnetzagentur erhebt seit 2005 von allen Netzbetreibern Daten über Art, Dauer und Ursache von Versorgungsstörungen. Bis zur Einführung der Anreizregulierung zum 1. Januar 2009 liegen somit Daten für einen Zeitraum von etwa dreieinhalb Jahren vor. Dies sollte für eine sinnvolle Einbeziehung eines Qualitätsfaktors ausreichen.“

„EWE NETZ betreibt Netze, die in Europa und wahrscheinlich weltweit zu den zuverlässigsten gehören“, erklärt Torsten Maus, Geschäftsführer der EWE NETZ GmbH. „Wir haben in unserem Stromnetz eine Ausfallzeit von nur fünf Minuten pro Kunde und Jahr. Zum Vergleich: Die durchschnittlichen Ausfallzeiten liegen in Deutschland bei 19 Minuten und in Großbritannien zum Beispiel bei 61 Minuten.“ Ein flächendeckendes Netz in ländlicher Gegend mit hoher Qualität zu bauen und zu unterhalten, koste aufgrund größerer Leitungslängen deutlich mehr als ein Netz in Ballungsgebieten. Hinzu komme, dass die EWE NETZ GmbH ihr Netz zu 98 Prozent verkabelt habe. „Das ist der Hauptgrund für die Zuverlässigkeit unseres Stromnetzes. Aber Kabel sind nun mal teurer als Freileitungen“, ergänzt Maus.

Der EWE NETZ-Geschäftsführer befürchtet, dass zukünftig weniger in die Unterhaltung der Netze investiert wird. „Netzqualität muss sich rentieren, sonst kann es in Zukunft vermehrt zu Stromausfällen kommen.“ Für eine hoch technisierte Volkswirtschaft sei das nicht akzeptabel und letztlich ein „Armutszeugnis“. „Wir müssen verhindern, dass wir Versorgungszustände nach dem Motto bekommen: Der Strom fällt aus und keiner kümmert sich darum. ,Blackouts’ können wir uns nicht leisten.“ Hier müssten Politik, Bundesnetzagentur und Netzbetreiber an einem Strang ziehen. „Natürlich auch die Verbraucherverbände. Denn letzten Endes sind die Kunden bei Stromausfällen die Leidtragenden“, so Maus.



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