EWE-Jahrespressekonferenz
Geschäftsjahr 2005
Oldenburg, 4. April 2006.
Teilnehmer:
Dr. Werner Brinker, Vorsitzender des Vorstandes
Heiko Harms, Vorstand Netze & IT
Michael Wagener, Kaufmännischer Vorstand
Cora Zillich, Leiterin Unternehmenskommunikation
Schlaglichter 2005
- EWE behauptet sich im schärferen Wettbewerb
- Ergebnis durch Bezugskostensteigerungen rückläufig
- EWE bleibt einer der preisgünstigsten Energieanbieter
- Gegen den Trend: EWE schafft neue Arbeitsplätze
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EWE bestätigt auch 2005 seine Position am Markt
Oldenburg, 4. April 2006.
„Der EWE-Konzern hat sich im abgelaufenen Geschäftsjahr 2005 in einem schwierigen und anspruchsvollen Marktumfeld gut behauptet“, erklärte der EWE-Vorstandsvorsitzende Dr. Werner Brinker auf der Jahrespressekonferenz des Konzerns in Oldenburg. Kennzeichnend für das Geschäftsjahr sei der starke Anstieg der Energiepreise auf nationalen und internationalen Beschaffungsmärkten gewesen und der zunehmende Wettbewerb auf den Märkten für Strom, Erdgas und Telekommunikation. Zugleich habe die vom Gesetzgeber geforderte gesellschaftsrechtliche Entflechtung von Netz und Vertrieb hohe Anforderungen an die Energiebranche gestellt. „EWE konnte dennoch seine Position als Nummer 5 auf dem deutschen Energiemarkt bestätigen“, so Brinker.
Das Unternehmen erwirtschaftete im Berichtsjahr* einen Umsatz von 7,4 Mrd. Euro. Der Zuwachs von 1,3 Mrd. Euro gegenüber dem Vorjahreswert ist darauf zurückzuführen, dass der Teilkonzern der VNG – Verbundnetz Gas AG erstmalig über 12 Monate in die Betrachtung einbezogen wurde. Grund für den Zuwachs sind demnach aber auch höhere Abgabepreise für Strom, Erdgas und Ferngas. Die Anhebung der Endkundenpreise folgte dem drastischen Anstieg der Bezugspreise. Dieser führte im Jahresverlauf 2005 für EWE zu steigenden Bezugskosten, die EWE nicht in voller Höhe an seine Kunden weitergeben konnte.
In der Folge blieb das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) mit 303,4 Mio. Euro – trotz des deutlichen Umsatzanstiegs – unter dem Vorjahreswert von 330,5 Mio. Euro. Der Konzernjahresüberschuss betrug 128,4 Mio. Euro (2004: 180,5 Mio. Euro). Zum Konzernergebnis von 110 Mio. Euro (2004: 145,4 Mio. Euro) trugen die einzelnen Segmente in sehr unterschiedlichem Umfang bei. Bei der ordentlichen Hauptversammlung wird der Vorstand den Aktionären der EWE AG, den Städten und Landkreisen der Ems-Weser-Elbe-Region, eine Dividende in Vorjahreshöhe von 60 Mio. Euro vorschlagen.
* Grundlage ist der Geschäftsbericht 2005 in seiner vorläufigen Fassung. Alle Angaben vorbehaltlich der Zustimmung des Aufsichtsrats.
Gutachten: Preiserhöhungen geringer als Kostensteigerungen
Zwei Gutachten einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft bestätigen, dass EWE nicht die gesamten Bezugskosten weitergegeben hat. Ein Gutachten hatte EWE bereits im Dezember vorgelegt. Das neueste Gutachten der internationalen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young stellte Brinker im Rahmen der Jahrespressekonferenz vor. Es bestätigt, dass die Bezugskosten für Erdgas von August 2005 bis Januar 2006 gegenüber den elf Vormonaten deutlich gestiegen sind, EWE diese aber nicht vollständig an die Kunden weitergeben konnte. So wäre selbst bei „einer fiktiven Preiserhöhung von 0,86 Cent/kWh weniger als die tatsächliche Bezugskostenerhöhung weitergegeben worden“, bestätigt das Gutachten. Der Betrag von 0,86 Cent pro Kilowattstunde hätte sich ergeben, wenn die Erhöhungen zum 1. August 2005 und 1. Februar 2006 in einem Schritt erfolgt wären.
Deutliches Umsatzplus im Segment Energie
Der Umsatz im Segment Energie stieg 2005 um 14,1 Prozent – von 3,1 Mrd. Euro auf 3,5 Mrd. Euro. Hierbei wirkten sich vor allem die Anhebung der Strom- und Erdgastarife aus.
Das Segment Energie bildet die Geschäftsbereiche Netz, Energiehandel- und -vertrieb sowie die Bereiche Gasbeschaffung, -speicherung, und -produktion ab. Das operative Geschäft konzentriert sich hier auf die Ems-Weser-Elbe-Region, Brandenburg, die Ostseeinsel Rügen und Westpolen. Neben der EWE Aktiengesellschaft (Oldenburg) enthält dieses Segment die vollkonsolidierten Tochterunternehmen Stadtwerke Cuxhaven GmbH (Cuxhaven), EWE Polska Sp. z o. o. (Polen) und Media Odra Warta Sp. z o. o. (Polen). Die swb AG (Bremen) ist als assoziiertes Unternehmen diesem Segment zugeordnet. Auch die EWE Netz GmbH (Oldenburg), die ihre operative Geschäftstätigkeit im Jahr 2006 aufnimmt, ist Bestandteil dieses Segments.
Bereich Strom führten 2005 gestiegene Bezugspreise zu Preiserhöhungen für Geschäfts- und Tarifkunden. So hat EWE den Stromtarif zum 1. Februar 2005 von netto 13,26 Cent auf 14,06 Cent pro kWh anheben müssen. Rund 40 Prozent des Bruttopreises von 16,31 Cent pro kWh sind staatliche Abgaben.
Der Stromabsatz des EWE-Konzerns lag mit 13,9 Milliarden Kilowattstunden (Mrd. kWh) auf Vorjahresniveau. Die Zahl der Stromkunden blieb mit 1.044.500 Kunden – 7.000 mehr als im Vorjahr – stabil. Insgesamt haben sich seit Öffnung des Energiemarktes weniger als 3 Prozent der EWE-Kunden für einen anderen Anbieter entschieden.
Der Gasabsatz war für den EWE-Konzern (ohne VNG) im abgelaufenen Geschäftsjahr mit 41,7 Milliarden kWh um knapp 2 Prozent rückläufig. Als Grund dafür nennt das Unternehmen die milde Witterung zu Beginn der Heizperiode. Die Zahl der Erdgaskunden stieg dagegen deutlich um rund 12.000 auf 765.400 Kunden.
Der Absatz an EWE-Erdgastankstellen hat sich 2005 mit 3,4 Mio. kg (entspricht 44 Mio. kWh) im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt. Die Zahl der Erdgastankstellen erhöhte EWE um vier auf 53. VNG setzte 2005 mittelbar an öffentlichen Erdgastankstellen 18,3 Mio. kg (250 Mio. kWh) Erdgas ab und übertraf damit den Vorjahreswert um 3,7 Mio. kg (50 Mio. kWh). „Dieses macht deutlich, dass sich Erdgas als Kraftstoff zunehmend etabliert“, kommentierte Dr. Werner Brinker die positive Entwicklung.
Im Bereich Erdgas wirkten sich die gestiegenen Primärenergiepreise auf die Erdgasbezugskosten von EWE aus. In der Folge hatte der Energiedienstleister im August 2005 den Erdgastarif um 0,48 Cent auf netto 3,88 Cent pro kWh (Region Ems-Weser-Elbe) angehoben. Dabei macht der Anteil der staatlichen Abgaben am Bruttopreis rund 25 Prozent aus. EWE konnte den Bezugskostenanstieg nicht voll an seine Kunden weitergeben. Die Differenz wurde zum Teil aufgefangen durch eigene Erdgasförderung, optimiertes Management der Erdgasspeicher und striktes Kostenmanagement, hieß es auf der Jahrespressekon-ferenz.
Ergebnis im Segment Ferngas bleibt deutlich unter Vorjahreswert
Im Segment Ferngas erfasst EWE die Geschäftstätigkeit der VNG – Verbundnetz Gas Aktiengesellschaft (Leipzig), deren Teilkonzern voll konsolidiert wird. VNG ist vor allem im Import, dem Großhandel, der Speicherung und Durchleitung von Erdgas mit geographischem Schwerpunkt im Osten Deutschlands tätig. Aber auch in Mittel- und Osteuropa ist VNG über Tochtergesellschaften oder Beteiligungen vertreten.
Der Segmentumsatz belief sich im Geschäftsjahr 2005 auf 3,8 Mrd. Euro. Im Vorjahr betrug der Wert 2,9 Mrd. Euro. Beim Vorjahreswert ist zu beachten, dass VNG erst seit dem 28. Januar 2004 konsolidiert wird. Im Umsatzplus schlägt sich im Wesentlichen der starke Anstieg der Beschaffungspreise nieder. „Die zeitverzögerte Weitergabe höherer Bezugskosten sowie steigender Wettbewerbsdruck haben zu einem Rückgang der Handelsmarge geführt“, so Brinker. Das Segmentergebnis (EBIT) liegt mit 17,4 Mio. Euro deutlich unter dem Vorjahreswert von 80,3 Mio. Euro. Rechnet man die Ergebnisse aus assoziierten Unternehmen hinzu, ergibt sich ein EBIT (einschließlich at Equity) von 46,3 Mio. Euro (2004: 102,2 Mio. Euro).
Weiterhin dynamisches Wachstum im Segment I+K
Im Segment I+K (Telekommunikation und Informationstechnologie) konnte EWE 2005 an die dynamische Entwicklung der Vorjahre anknüpfen und verzeichnete einen Umsatzanstieg um 13,3 Prozent auf 379 Mio. Euro. Das Segmentergebnis verbesserte sich von 9,6 Mio. Euro auf 21,2 Mio. Euro. Stärkste Träger dieses Wachstums waren im Telekommunikationsbereich der breitbandige Internetzugang DSL und im Bereich Informationstechnologie die Umsetzung von SAP-Projekten und das IT-Outsourcing. Das Segment I+K umfasst im Bereich Telekommunikation die voll konsolidierten Gesellschaften EWE TEL GmbH (Oldenburg), BREKOM Bremer Kommunikationstechnik GmbH (Bremen) und osnatel GmbH (Osnabrück) sowie als assoziiertes Unternehmen die htp GmbH (Hannover). Die Telekommunikationsanbieter des EWE-Konzerns konnten auf ihren regionalen Märkten 34.000 neue Kunden gewinnen. Insgesamt stieg die Kundenzahl damit auf 336.000. Rund 5.000 neue Kunden entschieden sich für das Dienstleistungsangebot der htp GmbH.
Der Bereich Informationstechnologie erfasst im Wesentlichen die Aktivitäten der voll konsolidierten BTC Business Technology Consulting AG (Oldenburg). Das Unternehmen bietet Consulting, Systemintegration und -management sowie Netzleittechnik und die Entwicklung und Umsetzung von speziellen Systemlösungen. BTC bietet die Leistungen bundesweit, in der Schweiz, der Türkei und in Polen an.
Investitionen
Im Segment Energie flossen die Investitionen in Höhe von 224,4 Mio. Euro vor allem in den Ausbau der Netzinfrastruktur und in den Bau von Unter-grundspeichern für Erdgas sowie in Anlagen zur Energieerzeugung aus Wind, Sonne, Biomasse und Biogas.
Im Segment Ferngas investierte der Konzern 50,9 Mio. Euro, um insbesondere das Leistungsvermögen seiner Untergrundspeicher und des Ferngasleitungssystems zu erhöhen.
65,4 Mio. Euro investierte der EWE-Konzern in den Ausbau der Kommunikations- und Vermittlungssysteme sowie – im IT-Bereich – in den Bau eines Rechenzentrums, in dessen speziell gesicherte Räumlichkeiten Geschäftskunden ihre IT-Infrastruktur auslagern können.
Gegen den Trend: EWE schafft Arbeitsplätze
Ende 2005 beschäftigte der EWE-Konzern 5.419 Mitarbeiter (Vorjahr: 5.212), 4 Prozent mehr als im Vorjahr. Den Anstieg führt der EWE-Vorstands-vorsitzende Brinker im Wesentlichen auf Zuwächse im Segment I+K und im
Segment Ferngas sowie auf Aktivitäten in Polen zurück. Allein im Segment I+K stieg die Zahl der Mitarbeiter zum Jahresende um 177 auf 1.751.
Die gesellschaftsrechtliche Trennung der Bereiche Netz und Vertrieb (Unbundling) hat EWE im Berichtsjahr bereits berücksichtigt. Voraussichtlich gehören zukünftig 1.635 der insgesamt 2.339 Mitarbeiter der EWE AG der neuen EWE Netz GmbH an. Im Segment Ferngas wird der Netzbetrieb von der neu gegründeten ONTRAS – VNG Gastransport GmbH übernommen. Dazu wechselten Mitarbeiter der VNG AG zur Tochtergesellschaft.
Mehr als 200 Jugendliche absolvierten im Geschäftsjahr 2005 eine gewerblich-technische oder kaufmännische Berufsausbildung im EWE-Konzern. EWE erhöhte die Ausbildungsquote von vier auf fünf Prozent, um so noch mehr jungen Menschen die Chance auf einen Ausbildungsplatz zu geben. Deshalb wurden 2005 in Gesellschaften des Konzerns 19 zusätzliche Ausbildungsplätze besetzt.
Forschung und Entwicklung
EWE hat sein Engagement für Forschung und Entwicklung auch 2005 fortgesetzt. Bereits seit einigen Jahren entwickelt der Energiedienstleister ein Dezentrales Energiemanagement System (DEMS). Es soll dazu beitragen, den Strombezug aus einer Vielzahl verschiedener Energiequellen zu optimieren. Im Jahr 2005 wurde der Prototyp einer IT-Plattform eingerichtet. Diese Plattform soll zukünftig einen automatisierten Datenaustausch zwischen den verschiedenen Informationssystemen von EWE und anderen Projektpartnern ermöglichen.
EWE treibt auch die Markteinführung stationärer Brennstoffzellen voran und testet die Vorseriengeräte verschiedener Hersteller. 2005 kamen neue Kooperationspartner hinzu, darunter der australische Hersteller Ceramic Fuel Cells Limited. EWE ist Gründungsmitglied der bundesweiten „Initiative Brennstoffzelle“ und Mitglied einer EU-Arbeitsgruppe zur Vorbereitung der Joint Technology Initiative (JTI).
Entwicklung 2006 und Ausblick
Brinker zufolge zeichnen sich für das Jahr 2006 weitere Herausforderungen für den EWE-Konzern ab, die sich aus rasch wandelnden Märkten, aus regulierten Wettbewerbsbedingungen und aus Eingriffen des Gesetzgebers ergeben. Ihm zufolge stehen folgende Themen im Fokus:
- Umsetzung des gesellschaftsrechtlichen Unbundlings
- Netznutzungsentgelte
- Entwicklung der Strom- und Erdgaspreise
- Umsetzung eines Modells für den Wettbewerb um Haushaltskunden auf dem Erdgasmarkt
- die Vermarktung von Erdgas als Kraftstoff
- Im Telekommunikationsbereich der Wettbewerb um Breitbandkunden und die Optimierung der Infrastruktur.
Der EWE-Vorstandsvorsitzende weist darauf hin, dass EWE auch weiterhin zu den günstigsten Energieanbietern bundesweit gehört. „Seine Strompreise wird EWE im Jahr 2006 voraussichtlich konstant halten können, sofern nicht weitere staatliche Abgaben die Preise belasten“, so Brinker. Durch den geplanten Bau eines 800-MW-Steinkohlekraftwerks in Kooperation mit der swb AG (Bremen) und der niederländischen Essent N.V. werde EWE zukünftig auch in der Stromerzeugung tätig. Das eröffne dem Unternehmen weitere Handlungsspielräume zur Optimierung seines Strombezugs.
Für die Höhe der Erdgaspreise werde auch in naher Zukunft der Ölpreis ausschlaggebend sein, so Brinker weiter. Zum 1. Februar 2006 habe EWE seinen Erdgaspreis an die gestiegenen Bezugskosten anpassen müssen und den Tarif um 0,38 Cent auf netto 4,26 Cent pro kWh (Region Ems-Weser-Elbe) angehoben. Über die vertraglich vereinbarten Preisgleitklauseln, so Brinker, werde es auch zu Preisanpassungen im Segment Ferngas kommen.
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